Zeiler Baudenkmäler

Hauptstraße 15

  • Hauptstraße 15

    Straßenansicht

  • Hauptstraße 15

    Hof mit Nebengebäude (verputztes Fachwerk)

  • Hauptstraße 15

    Treppenhaus aus der Erbauungszeit mit geschnitztem Geländer

  • Hauptstraße 15

    Geschnitztes Geländer

  • Hauptstraße 2

    Früher lag die Haustür an der Straße

Hauptstraße 15

Das zweigeschossige, spätbarocke Mansarddachhaus stammt aus dem Jahr 1778. Es besteht aus verputztem Sandsteinmauerwerk und ist mit Eckpilastern in toskanischem Stil sowie Gurtgesimsen zwischen den Geschossen gegliedert. Die geohrten und profilierten Fenstergewände sind ebenfalls aus Sandstein (5 Fensterachsen zur Straße, 4 Fensterachsen zum Hof). 1979 wurde der Eingang von der Haupstraße in den Hof verlegt. Bemerkenswert im Innern ist u.a. die reichgeschnitzte, aus der Bauzeit stammende Treppe.

An der Rückseite des Haupthauses schließt sich ein Nebengebäude an, das sogar älter ist - was sich aus einer Inschrift im Kellergewölbe schließen lässt: "16-13/AR". Dieses Rückgebäude hat ein massives Erdgeschoß, auf dem sich ein vorspringendes Fachwerkgeschoss befindet, welches durch den modernen Verputz kaum mehr als solches zu erkennen ist. Vermutlich verlief hier ursprünglich ein Laubengang.

Die Nebengebäude auf der Südseite lassen die einstige Bestimmung des Anwesens als Ackerbürgerhof allenfalls erahnen.

Aus: Das Bürgerhaus im östlichen Unterfranken:

Das große Anwesen besteht aus einem zweigeschossigen massiven Vorderhaus, einem Seitenflügel und einer Scheune am Hofende. Das Hauptgebäude ist ein gutes Beispiel für ein Bürgerhaus des späten 18. Jahrhunderts. Die Fassade ist durch schmale, genutete Ecklisenen zusammengefaßt, die Geschosse sind durch Gurtgesimse getrennt, die Fenster haben geohrte Einfassungen mit Faszien. Die Haustür liegt in der letzten Achse. Neben dem Haus führt eine schmale Einfahrt zum Hof, in der auch der vordere Kellerhals mündet.
Der Hausflur ist ganz an die Seite gerückt und erweitert sich im hinteren Hausteil zu einem geräumigen Treppenhaus mit einer zweiläufigen Wendepodest-Treppe zum Obergeschoß. Sie steht mit drei Seiten frei im Raum und hat ein reiches, durchbrochenes Geländer der Bauzeit. Rechts von ihr führt der Flur zum Hof weiter, links eine Verbindungstür zum Seitenbau. Zur Straße lag ein vierfensteriges Zimmer, heute in zwei zweiachsige unterteilt, hinten neben der Treppe die Küche, die fast nur indirekt beleuchtet ist. Im Obergeschoß liegen zur Straße drei Räume, das Treppenhaus erweitert sich noch etwas, wobei über dem schmalen Erdgeschoßflur eine Kammer liegt. Vom Treppenhaus aus konnte ein Vorgelege am Mittelzimmer befeuert werden.
Das Haus hat eine bemerkenswerte Mansardendachkonstruktion. Die eigentliche Mansarde hat schrägliegende Wände mit Riegeln und Schräghölzern, auf denen die Sparren aufliegen. Die Wände werden durch einen liegenden Stuhl gestützt, die Querwand der unteren Geschosse setzt sich als zweistöckiger stehender Stuhl bis in den Dachfirst fort. Auch im oberen Boden gibt es außerdem noch einen liegenden Stuhl.
Die Unterkellerung des Gebäudes bereitet die Oberbauteilung vor. Unter der Stube liegt ein Tonnengewölbe parallel zum First, unter der Küche eines quer dazu. Treppen- und Flurbereich sind nicht unterkellert. Der Keller hat zwei Hauptzugänge: einen von der Einfahrt aus mit einem gewölbten Kellerhals, den anderen vom Rückgebäude aus über einen schmalen Gang, von dem aus eine Treppe zum Erdgeschoß in die Küche führte. Die Treppe ist heute vermauert. Der Durchbruch zum Rückgebäude scheint neueren Datums zu sein. Da die Vorderhauskeller heute keine Verbindung mehr haben - der zugemauerte Durchgang ist aber zu erkennen -, wurde der Durchbruch zum Rückgebäude nötig.
Der Seitenbau hat über einem massiven Erdgeschoß ein vorspringendes, heute verputztes Fachwerkobergeschoß. Er ist vollständig durch ein Längstonnengewölbe unterkellert. Ein Stein in der Wölbung trägt die Inschrift "16-13/AR". Dadurch ist ein terminus post quem für die Entstehungszeit des Gebäudes gegeben.
Erd- und Obergeschoß sind stark verändert, doch lassen einige konstruktive Einzelheiten eine ungefähre Rekonstruktion zu. Das Gebäude war in allen Geschossen etwa in der Mitte quer zum First zweigeteilt und hatte zum Vorderhaus eine eigene Giebelwand. Die Mittelwand ist im Erdgeschoß ganz, im Obergeschoß fragmentarisch als rechte Wange des später eingebauten zweiten Treppenhauses erhalten, ihr Ansatz an der zum Nachbarn gerichteten Wand als vorspringender Pfosten erkennbar. Zum Hof hin lag vermutlich ein Laubengang. Er ergibt sich aus dem einzigen auf längerer Strecke durchlaufenden, mit einer Wand untersetzten, asymmetrischen Längsunterzug im Oberstock, der, als Raumachse angesehen, zum Hof hin einen ca. 1,40m breiten Raumstreifen freiläßt. Dieser springt heute etwa zur Hälfte über das Erdgeschoß vor, und seine Außenwand ist zum größten Teil in Glas aufgelöst. Im Erdgeschoß scheint im Vorderteil noch ein Stück des entsprechenden, allerdings parallel verschobenen Unterzugs erhalten zu sein; im hinteren Hausteil stehen in der gleichen Richtung zwei Wandstücke. Im Zuge einer späteren Neuausteilung wurde er durch einen Mittelunterzug ersetzt, gleichzeitig vermutlich die Erdgeschoßwand zum Hof hin vorgeschoben und die Stützen des Laubengangs als überflüssig weggenommen.
1730 war das Grundstück im Besitz der Familie Degen und ging 1754 an Hanns Georg Schneider über, der es am 21. Oktober 1777 an den bambergischen Forstmeister Seeger zu Zeil verkaufte. Am 23.1.1778 beantragte Seeger bei der Bamberger Hofkammer 232 Stämme Bauholz für einen Neubau an Stelle seines baufälligen Hauses in Zeil. Bis 1794 blieb das Anwesen in Seegerschem Besitz. (Quelle: BOU, S.172-175)