Zeiler Baudenkmäler

Hauptstraße 3 (Jörg-Hoffmann-Haus)

  • Hauptstraße 4 - Neidkopf

    Das Jörg-Hoffmann-Haus im Jahr 2016

  • Hauptstraße 3

    Detailansicht mit Inschriften

  • Hauptstraße 3

    Neidkopf mit Blatt-Ornamentik

  • Hauptstraße 3

    Das Jörg-Hoffmann-Haus vor 1960

  • Hauptstraße 3

    Rückseite des Hinterhauses. Links ein weiterer Anbau.

  • Hauptstraße 3

    Die barocken Stuckdecken sind abgehängt und teilweise zerstört

Hauptstraße 3 - Jörg-Hoffmann-Haus

Wie schon beim Nachbarhaus Hauptstraße 1, dem ehemaligen "Roten Ross", handelt es sich auch hier eigentlich um zwei Häuser. Das vordere, traufständig der Hauptstraße zugewandte, ist wohl das bekannteste und bedeutendste Zeiler Fachwerkhaus und stammt aus dem Jahr 1689. Das hintere, welches man nur von einem in der Langen Gasse liegenden Hinterhof sehen kann, ist wesentlich älter: Aufgrund der Fachwerk-Ständerbauweise muss man davon ausgehen, dass es aus dem Spätmittealter stammt (wohl Anfang des 16. Jahrhunderts) und somit eines der ältesten Zeiler Privatgebäude ist.

Im Fachwerk des Haupthauses lassen sich drei verschiedene Inschriften erkennen. Neben dem über die ganze Breite des Hauses verlaufenden "1689" sind dies die Abkürzungen HRDI und IHZ. Letztere bezeichnet eindeutig den berühmten Zeiler Fachwerk-Baumeister "J(örg) H(offmann) Z(immermann)", der sich hier selbstbewusst und unübersehbar verewigt hat. Über das "HRDI" war man sich lange unschlüssig, doch inzwischen herrscht Übereinkunft, dass damit der Bauherr, Jörg Hoffmanns Schwager "H(ans) R(ügheimer) d(er) J(üngere)" gemeint ist. Bauherr und Entstehungsjahr erscheinen noch einmal im Scheitel der Tordurchfahrt. ("H 16 89 R").

Berühmt ist das Haus v.a. wegen seiner reichen, farbig gefassten Fachwerkschnitzerei im Obergeschoss: Neidköpfe, Tierdarstellungen, Weinreben kunstvoll verschlungen mit ornamentalen Elementen. Das Erdgeschoss ist massiv und verputzt, jedoch durch diverse Umbauten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark verändert. So wurde aus der Tordurchfahrt ein Schaufenster und aus drei kleinen Fenstern wurden zwei große und ein Türeingang. Im Innern hat man außerdem die aus der Erbauungszeit stammenden Stuckdecken zerstört oder abgehängt und die Raumaufteilung völlig verändert. Vom ursprünglichen Zustand ist kaum mehr etwas zu erkennen.

Aus: Das Bürgerhaus im östlichen Unterfranken:

Hauptstraße 3, (erste Hälfte 16. Jahrhundert und 1689)

Die folgende Darstellung stammt aus dem Jahr 1995, als in dem Haus noch die Volksbank untergebracht war.

Das Anwesen umfaßt ein traufenständiges Vorderhaus von 1689, ein direkt angebautes giebelständiges Hinterhaus aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, Stallungen und eine Scheune am hinteren Hofende.
Das Vorderhaus besteht aus einem massiven Erdgeschoß und einem Fachwerkoberstock. Das Erdgeschoß wurde durch einen Bankeinbau stark verändert. Geblieben ist die rundbogige Einfahrt neben der Mitte. Sie hat ein spätgotisches Profil aus breiter Kehle und abgesetztem Stab, trägt aber im Scheitelstein die Inschrift "H.1689.R". An Stelle der Haustür und der Schaufenster saßen ursprünglich geohrte Fenster, wohl von 1689. Eine separate Haustür neben der Einfahrt scheint ursprünglich nicht vorhanden gewesen zu sein.
Der Oberstock hat eine Straßenfront aus reich geschnitztem Fachwerk mit einem wandlangen Fenstererker, der über Volutenkonsolen vorspringt und durch phantasievoll gestaltete Halbsäulen gegliedert ist; seine Unterkante hat zwischen den Konsolen Eierstäbe. Bund- und Zwischenständer sind nicht zu unterscheiden; die regelmäßig in den Felderachsen angebrachten Fenster, deren Pfosten Rankenschnitzereien tragen, reiten wieder auf konsolenartigen Gliedern. Die Brüstungsfelder, jeweils durch ein Stielchen mit Masken oder Frauenköpfen zweigeteilt, haben Bohlenfüllungen mit geschnitzten Masken und Pferden. Die beiden mittleren Felder tragen die Monogramme "H.R.D.I." und "I.H.Z.". Auf die Ständerfüße ist außerdem die Jahreszahl "1689" verteilt. "H.R." entspricht dem "H.R." auf dem Scheitelstein des Torbogens, "D.I." ist einstweilen nicht zu deuten. "I.H.Z" wird wohl mit Recht als "Jörg Hoffmann, Zimmermann" aufgelöst, der sich durch mehrere ähnliche Bauten einen Namen in Oberfranken gemacht hat.
... Die Angaben ... zur Person Hoffmanns sind teilweise irrig, da Verwechslungen mit dem zur gleichen Zeit in Zeil lebenden Steinhauermeister Jörg Hoffmann vorliegen.
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Das Dach hat einen einfachen zweireihigen Stuhl mit firstparallelen Bügen, die beidseitig verzapft sind.
An das Vorderhaus schließt sich ohne Zwischenraum das Hinterhaus an; den konstruktiven Merkmalen nach entstand es im frühen 16. Jahrhundert. Es hat wie das Vorderhaus zwei Stockwerke, das Erdgeschoß ist massiv erneuert. Der rückwärtige Giebel mit seinen Kreuz- und einfachen Streben, dem fehlenden Stichgebälk und dem sichtbaren liegenden Dachstuhl ist typisch für das ausgehende Mittelalter.
Die Verblattungen sind weitgehend zugunsten von Zapfen aufgegeben. Nur die Fußstreben des Giebelmittelständers sind an den Dachbalken, die Kopfstreben der Stuhlkonstruktion sind über die Spannriegel gezogen und an das Kehlgebälk geblattet. Im Gegensatz dazu sind die Kreuzstreben verzapft. Durch den Abbruch von Nebengebäuden des Nachbargrundstücks Hauptstraße 1 steht jetzt auch die linke Traufseite frei. Das Gebälk ist teilweise ausgewechselt, wahrscheinlich mit dem Neubau des Vorderhauses. Auch hier kann man noch feststellen, daß Zapfen und Blätter nebeneinander vorkommen. Die Eckbinder und der erste Wandbinder von hinten haben Kreuzstreben. Am ersten Wandbinder sind die Fußstreben am Fuß, die Kopfstreben am Kopf angeblattet. Der zweite Wandbinder hat verzapfte Fußstreben, der dritte wandhohe Schräghölzer; vermutlich ist er ausgewechselt worden. Der vordere Eckpfosten an der Grenze zum Vorderhaus hat verzapfte Kreuzstreben. Das Gebälk ist an der Ecke verkämmt. ...
Das Hintergebäude hatte zum Vorderhaus ehemals einen eigenen Giebel, heute gehen die Dächer ineinander über. Die Dachbinder liegen genau über den Wandbindern. Dies ist nicht die Regel. Es dürfte sich dabei um Rückgriffe auf den älteren Ständerbau handeln, wofür auch die mittlere Stuhlreihe spricht.
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Wer der Bauherr des Hauses im frühen 16. Jahrhundert war, ist nicht mehr feststellbar. Die Halle im Hinterhaus ähnelt eher einern Lager- als einem Wohnraum und ist auch nicht heizbar. Möglicherweise war der Bauherr ein Kaufmann. Das Rückgebäude ist ein wichtiges Beispiel für das frühe 16. Jahrhundert in Zeil, an Alter wird es nur von den Häusern Marktplatz 4 und Lange Gasse 3 übertroffen. Die mehr 'ideellen' Relikte der Ständerbauzeit kommen in Zeil später nicht mehr vor.
Das reich ausgestattete Vorderhaus von 1689 deutet auf einen vermögenden Bauherren. Das Monogramm "H.R.D.I." könnte als "Hans Rügheimer der Jüngere" aufgelöst werden. Die Rügheimer waren im 17. und 18. Jahrhundert eine weitverzweigte Zeiler Familie, so daß trotz des Monogramms keine eindeutige Zuweisung möglich ist. 1730 besaß die Familie Weinmann das Anwesen. Um 1740 muß es an Johann Friedrich Rosenzweig übergegangen sein. Er war fürstlich bambergischer Ingenieur und Hauslehrer der 'Edelknaben', vorübergehend auch Stadtschreiber in Zeil. 1750 verkaufte er das Haus mit Zugehörden an Hans Conrad Popp, den Eigentümer des Nachbarhauses Hauptstr. 1, damals Gasthof "Zum roten Roß". Seitdem ist es im Besitz der Familie Popp. Die von Georg Will aufgestellte Behauptung, bei dem Haus handele es sich um Hoffmanns 'Morgengabe' an seine Frau, dürfte nicht zutreffen.(Quelle: BOU, S.167-170)

Aus Ludwig Leisentritt: Spaziergang durch Zeil

Zu den kunstvollsten Fachwerkhäusern in Franken zählt dieses Werk des Zeiler Zimmermanns Jörg Hofmann (1660 bis 1734). Er hat es 1689 für seinen wohlhabenden Schwager gebaut. Teilweise noch aufwendiger schuf Hofmann ähnliche Kunstwerke in Burgkunstadt (Rathaus), in Scheßlitz (Dilligsches Haus) und im benachbarten Königsberg (Uhrmacherhaus). Auch die sogenannten "Hölzernen Männer" in Baunach werden ihm zugeschrieben.
Mit seiner Kunst beschritt Jörg Hofmann neue Wege und war aus diesem Grunde seinen Handwerksgenossen weit voraus. Sein Stil bestand darin, das vordem flächenhaft gestaltete Fachwerk mit starken plastischen Formen zu durchsetzen. Hierdurch wurde eine dekorative Wirkung erzielt, wie sie bislang nur mit der Technik des Steinbaues verwirklicht werden konnte. So erfüllte Hofmann offenbar den Wunsch nach einem Steinbau in Holz. Neben der Verminderung der Feuersgefahr war wohl auch der sich immer mehr abzeichnende Holzmangel der wichtigste Beweggrund dafür, daß der Bamberger Fürstbischof den Bau von Steinfassaden steuerlich begünstigte. Man kann davon ausgehen, daß ein Fachwerk dieser Größe ca. 80 bis 100 Stämme Holz beanspruchte.
"Jörg Hofmann, Zimmermeister von Zeil" (JHZVZ) war das Markenzeichen eines zwar selbstbewußten, oft auch eigenwilligen, aber auch sehr bescheidenen Handwerksmeisters. Alte Stadtrechnungen belegen, daß der Meister nicht nur kunstvolle Fassaden fertigte, sondern sich auch nicht zu schade dafür war, für ein paar Kreuzer ganz gewöhnliche Arbeiten, wie das Verlegen von Bodendielen, zu erledigen.
In diesem Fachwerk genügten die Initialen JHZ (Jörg Hofmann, Zimmermann). Bei der Buchstabenfolge HRDJ vermuteten die Experten bislang, es seien die Anfangsbuchstaben eines Spruches. Erst kürzlich konnte jedoch der Nachweis erbracht werden, daß es sich um die Initialen seines Schwagers (Hans Rügheimer der Jüngere) handelt.
Die Reben und Trauben weisen auf den heimischen Weinbau hin, und sie dürften wohl auch eine Anspielung auf das einstige Gastwirtshaus sein. Am Fuße des rebenumschlungenen Fensterpfostens schnitzte Hofmann eine Drossel, die Trauben stiehlt. Die Füllhölzer unterhalb der Fenster sind besonders reich verziert. Im Inneren hat man in den sechziger Jahren die schönen Stuckdecken mit einer Zwischendecke versehen. Aus dieser Zeit stammen auch die nicht sehr ins Bild passenden Schaufenstereinbauten. (Quelle: Ein Spaziergang durch Zeil, S. 33-34)