Zeiler Baudenkmäler

Annakapelle

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  • Annakapelle (Zeichnung Rudolf Winkler)

    Annakapelle (Zeichnung Rudolf Winkler)

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    Annakapelle (Rückseite)

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    Annakapelle Nordansicht

  • Annakapelle innen

    Innenraum der Annakapelle (bei einer Führung)

Annakapelle - Hans Brech

Die spätgotische ehemalige Friedhofskapelle stammt aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts. Die Angaben schwanken dabei zwischen 1412 und "nach 1424". Auf jeden Fall weist diese kleine Kirche einige Besonderheiten auf, die auch für Kunsthistoriker und Denkmalforscher interessant sind. Da wären die "falzlosen Rinnenziegel" zu nennen, die durch einen Verputzgrat verbunden werden. Außerdem besitzt das Kirchlein einen Ziegelboden - was nördlich der Alpen einmalig ist. Darüber hinaus wird durch raffinierte bauliche Maßnahmen der kleine Chorraum optisch erweitert. Dieser liegt dabei im Obergeschoss, während das Erdgeschoss als "Beinhaus" diente. Der schlanke, weiße Bau (1983 renoviert) beeindruckt auch von außen durch die rot abgesetzten Ecklisenen, die in der gleichen Farbe umrahmten gotischen Fenster und das spitz zulaufenden Satteldach mit dem aufgesetzten Glockentürmchen. Auf der Rückseite (und nicht vom Kirchplatz aus zu sehen) setzt sich der mit drei Fenstern bestückte Chor vom Hauptgebäude ab.

Gunzelmann

Spätgotisch, nach 1424 (d).
Kath. Kapelle St. Anna, nachgotisches Beinhaus. Südöstlich der Stadtpfarrkirche St. Michael gelegen. Ehemalige Friedhofs- und Karnerkapelle, zweigeschossiger Saalbau mit Satteldach und eingezogenem, im Obergeschoss vorkragenden Polygonalchor. Massiv verputzt mit unverputzten und farblich abgesetzten Ecklisenen. Erdgeschoss Beinhaus, Obergeschoss Kapelle. (Quelle: SDU)

Aus der "Chronik", Bd. 2 (Rudolf Winkler)

Rudolf Winkler

Nicht mehr zur Pfarrkirche gehörend, aber in enger Nachbarschaft, steht innerhalb der ehemaligen Kirchenburg die Annakapelle (Bild Band I Seite 77). Sie trägt ein Glockentürmchen und ist noch mit den Hohlziegeln eingedeckt, die ursprünglich das Material aller Dächer in Zeil waren. Es handelt sich dabei um Rinnen- und Hohlziegel, deren Zwischenräume durch einen Putzgrat geschlossen wurden. Dem Putz wurden zur Verstärkung des Zusammenhaltes kleingeschnittene Frauen- oder Rindshaare beigemengt. Der Zugang zu ihr, die seit geraumer Zeit auf eine pflegliche Behandlung wartet, erfolgt durch eine in den 30er Jahren errichtete Treppe (die alte Treppe führte bei mehr Raumbedarf gerade zum Hochgeschoß).
Die Kapelle ist eine zweigeschossige nachgotische Anlage, das Untergeschoß diente bis 1938 als Ossarium. Die dort aus dem ehemaligen Friedhof uni die Kirche eingelagerten Gebeine wurden in der jetzt erhöhten Fläche östlich des Kirchturms begraben. Eine kräftige Linde ist inzwischen darüber gewachsen. Der Hauptraum der Kapelle diente für die Abhaltung von Gottesdiensten. Das Langhaus besitzt eine flache Kasettendecke, einen Ziegelboden, an den Seitenwänden Frescoreste aus der Renaissance. Der anschließende dreiseitige Chor weist ein spätgotisches Gewölbe auf und sieht auch von außen sehr reizvoll aus. Im Chor liegen auch die Teile eines Barockaltares mit gemalte Altarblatt, der der Renovierung harrt. (Quelle: Chronik, Bd. 2, S. 328-329)

Aus dem "Spaziergang durch Zeil":

Leisentritt

Beinahe hätte man 1903 diese zu den ältesten Bauwerken Zeils zählende Kapelle ... für eine Rathaus- und Schulerweiterung abgerissen. Das Dach trägt eine kleine Glocke. In den früheren Jahrhunderten konnte der Bürgermeister mit dieser Glocke die Bürger zusammenrufen lassen, wenn es etwas bekanntzumachen gab. Oft wurden von der im sogenannten "Verkündraum" des Rathauses versammelten Bürgerschaft - wobei die Anwesenheit der Bürger Pflicht war - per Abstimmung kommunale Angelegenheiten in direkter Demokratie entschieden oder Arbeiten für die "gemeine Stadt" an die Wenigstnehmenden verstrichen. Im 19. Jahrhundert sind in dieser Kapelle heilige Messen gefeiert worden, "for Weiber, welche ihre Geburt nahe seyndt und die Fürbitt der St. Anna anflehen". Manchmal erhielten in dieser Kapelle Hausarme der Stadt - nach gehörtem Gottesdienst in der Pfarrkirche - ein Almosen im Auftrag der Obrigkeit ausgeteilt.
Bemerkenswert ist das mit mittelalterlichen falzlosen Rinnenziegeln bedeckte Dach, deren Zwischenräume mit einem Putzgrat geschlossen wurden. Zum besseren Zusammenhalt des Kalkmörtels mischte man früher Frauenhaare bei, wie dies fast bei allen Dächern der Altstadt der Fall war. Sehenswert ist der eingezogene gotische Chor.
Die kleine Kirche weist eine Besonderheit auf. Sie soll nördlich der Donau die einzige noch erhaltene Kirche sein, die einen Ziegelboden aufweist. Er steigt zum Altar hin an. Damit wird eine optische Vergrößerung des Raumes erreicht. Und auch die Decke unterstützt diese perspektivische Wirkung, indem die einzelnen Kassetten in der Decke vom Eingang hin zum Altar in ihren Längenmaßen von 125 auf 75 cm schrumpfen.
Leider ist die Kapelle nur bei Führungen oder nach Rücksprache mit dem Pfarramt bzw. der Stadtverwaltung zugänglich. Ein schlichter Rokokoaltar aus dem 18. Jahrhundert ist die Zierde des Inneren. Die stark zerstörten Fresken lassen ahnen, wie üppig die Wände einst bemalt waren.
Der Keller mußte zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zu Luftschutzzwecken ausgebaut werden. In seinem Gewölbe bewahrte man einst die Gebeine auf, die bei der Wiederbelegung der Gräber im alten Kirchhof freigelegt wurden. Beim Umbau zum Luftschutzkeller wurden die dort vorgefundenen Gebeine unzähliger Zeiler in der neugeschaffenen Erhöhung vor dem Kellereingang beigesetzt. Die nunmehr groß gewordene Linde wurde seinerzeit darübergepflanzt. (Quelle: Ein Spaziergang durch Zeil, S. 20-21)