Zeiler Baudenkmäler

Das Rathaus

  • Rathaus

    Vom Marktplatz aus

  • Rathaus

    Vom Marktplatz aus

  • Rathaus vom Stadtturm aus

    Vom Stadtturm aus

  • Rathaus Bohlenbalkendecke

    Die Bohlenbalkendecke in der Stadtkasse

  • Rathaus

    Pranger und "Bamberger Elle"

  • Rathaus

    Links Kellereingang, rechts zugemauerte Tür zum "Fleischhäusla"

  • Rathaus 1540

    "1540" an der Südwestecke

Rathaus - Marktplatz 8 - Hans Brech

Das alleinstehende, hochaufragende und - abgesehen von der dahinter und höher liegenden Kirche - den Marktplatz beherrschende Rathaus entstand in der heutigen Form um 1540. In dieser Zeit wurden die wuchtigen Fachwerk-Obergeschosse mit dem steilen Satteldach auf die schon seit dem 14. Jahrhundert vorhandenen massiven Untergeschosse gesetzt. Die beiden Türen mit dem gotischen Spitzbogen künden augenfällig noch vom ursprünglichen Zustand, während die ebenfalls spitzbogigen Fenster später im Renaissance-Stil umgestaltet wurden. An der untersten (südlichsten) Ecke des Rathauses ist das einst für die Gegend gültige Längenmaß, die "Bamberger Elle", angebracht, daneben der Pranger, auf dem Übeltäter angekettet wurden, um sie bloßzustellen und zu bestrafen.
Nicht immer diente das Gebäude nur als Rathaus. Im Mittelalter war das ganze Erdgeschoss eine einzige Markthalle, in der Metzger und Bäcker ihre Waren feilboten. Noch in Erinnerung - zumindest aus Erzählungen von Eltern und Großeltern - ist die Zusatzfunktion des Rathauses als Schule, bevor die neu errichtete Marienschule im Jahr 1927 bezogen werden konnte. Von den 60er Jahren bis 1985 beherbergte es auch die Stadtbücherei, bis diese 1985 als "Stadtbibliothek" im Rudolf-Winkler-Haus eine großzügige Bleibe fand.
Mittlerweile ist das Rathaus aber selbst für die reinen Verwaltungsaufgaben viel zu klein geworden und etliche Abteilungen sind in die Bamberger Straße umgezogen.

Aus dem "Spaziergang durch Zeil":

Der dominierende Standort der Pfarrkirche drückt die große geistige Ordnung der mittelalterlichen Welt aus. Das Rathaus als Zeichen kommunaler Obrigkeit läßt sich bereitwillig von dem Kirchturm beherrschen, überragt aber die übrigen Gebäude des Marktplatzes und der Altstadt. So wie der Kirchturm ist auch das Rathaus ein Werk mehrerer Zeitepochen. Das gotische Hauptportal (Eselsrücken) und die Fenster mit den Zwischengewändern im Erdgeschoß lassen sich ins 14. Jahrhundert datieren. Vermutlich nach einem Brand wurde das heutige streng gegliederte Fachwerk aufgesetzt. Darauf läßt jedenfalls der Abschlußstein mit der Jahreszahl 1540 im 1. Stock schließen. Einem Modetrend der damaligen Zeit entsprechend, ist das Fachwerk bei einer Renovierung im Jahre 1887 verputzt worden. Paradoxerweise malte man auf der verputzten Fassade ein Fachwerk auf, das nicht einmal dem darunterliegenden entsprach. Ebenso hatte man auf dem massiven Teil des Erdgeschosses mit dunklen Linien ein Quadermauerwerk aufgepinselt. ...

Die sogenannte "Bamberger Elle" am Rathauseck steht in direkter Beziehung zu den von Kaiser Wenzel 1397 verliehenen Marktrechten und war u. a. für die Tuchhändler verbindlich. Die früheren Längenmaße orientierten sich zumeist am menschlichen Körper. Ein Schuh maß ca. 30 cm; die "Bamberger Elle" weist 67 cm auf.
Ein Relikt mittelalterlichen Strafrechts stellt der alte Pranger vor dem Rathaus dar. In der Geschichte der Menschheit hat unser Strafrecht unzählige Stationen und Variationen durchgemacht.
Besonders nach dem Dreißigjährigen Krieg als viel Volk hin- und herzog waren die Sitten stark verwildert. Gegen Zuchtlosigkeit und Sittenverfall kämpfte besonders die Kirche, wofür sie mannigfaltige Kirchenstrafen verhängte: Wegen Gotteslästerung und Fluchens sollte 1642 ein Zeiler "andern zu einem Spiegel" an einem Stock vor der Kirchentür gebunden werden. Dagegen legte jedoch der Stadtrat Einspruch ein, "wei1en es eine große Schand und Spott" wäre und es sich um die erste Verfehlung handelte.
Die Wirkung des Prangers hing hauptsächlich von der Öffentlichkeit ab. Ziel war die öffentliche Erniedrigung und Demütigung. Die "fleischliche Vermischung" zweier junger Leute bedeutete in Zeil für die Obrigkeit ein öffentliches Ärgernis. Noch Mitte des 18. Jahrhunderts sind solche Leute dazu verurteilt worden, am Sonntag nach dem Gottesdienst "mit angeschlagener Geige" ... und einem ströhernen Kranz auf dem Kopf zur Abscheu anderer auf öffentlichen Markt ausgestellt zu werden. "Gefallenen Personen" waren in der Kirche die vorderen Plätze verwehrt. Auch bei Prozessionen durften sie nur am Schluß gehen. (Quelle: Ein Spaziergang durch Zeil, S. 10-15)

Aus der Zeiler Stadtchronik:

Ohne Zweifel wirkten sich die Markttage günstig für den Aufschwung des Handwerks in Zeil aus. Sonst wäre 1447 nicht noch ein vierter Tag für öffentlichen Verkauf und Einkauf bewilligt worden: der Sonntag in den Fasten. Als dieser neu eingeführt wurde, hatten die Zeiler schon ein Rathaus gebaut. Das gehörte nun einmal zu einer Stadt. Es erhob sich ein wenig unterhalb der Kirche. Sein derbes Gemäuer steckt noch im Unterstock des späteren größeren und stattlicheren Baus. Von der herrschenden Gotik beeinflusst, wies es spitzbogige Eingänge und ähnliche Fenster auf. Steil hob sich das Dach über die benachbarten Bürgerhäuser. In ihm walteten im Verein mit anfangs sechs Ratsherren der Oberbürgermeister und der Unterbürgermeister ihres Amts, in allen bürgerlichen Angelegenheiten der Stadt Bestes zu suchen. (Quelle: CHR, Bd. 1, S. 62)

Aus der Zeiler Stadtchronik

Es spricht für die Rührigkeit der Zeiler, dass sie sich bereits 1531 mit einem größeren baulichen Vorhaben befassen konnten: mit der Aufstockung ihres Rathauses. Das für die Stadt um 1400 unstreitig ansehnliche Gebäude reichte für die Bedürfnisse der an Einwohnerzahl wachsenden Gemeinde nicht mehr aus, weshalb es aufgestockt werden sollte. 1531 richtete der Rat an die hochfürstliche Regierung die demütige Bitte, doch das benötigte Bauholz - insgesamt ein Schock Eichenstämme - doch gnädigst kostenfrei aus dem bischöflichen Zeilforst aushändigen zu lassen. Zur größten Enttäuschung der treuen Bürgerschaft (wie sich die Gesuchsteller bezeichnet hatten) wurde das Ansuchen abschlägig verbeschieden. Die Begründung lautete ebenso kurz wie unhöflich: die Zeiler wären wohlhabend genug, um das Bauholz kaufen zu können. Trotz dieser schroffen Ablehnung ging man rüstig ans Werk. Unter Einbezug alter Bauteile wuchs das leicht übereck gestellte Gebäude am alten Platz, in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche, zu stattlicher Höhe auf, wie es auf Zweidlers noch zu besprechendem Planbild der Stadt zu ersehen ist. Die Zahl 1540, die Josef Drebinger in einem Abschlussstein des einstigen Obergeschosses eingehauen fand, legt wohl den Beginn der Errichtung eines schön gegliederten Fachwerkbaus fest. Während der Aufstockung ereignete sich ein Unglück, das in der Bürgerschaft beträchtliche Aufregung verursachte. Der am Bau tätige Zeller Einwohner Hans Perbach stürzte aus der Höhe ab und fand dabei den Tod. Er hinterließ eine Witwe und mehrere unversorgte Kinder, die infolge des Hinscheidens ihres Ernährers in die größte Notlage gerieten. Zur Erlangung einer kleinen Unterstützung wandte sich der Amtmann zum Ebersberg, Wolf Dietrich von Wiesenthau, an den Zeiler Rat. Er führte u. a. aus: ,,... langet derwegen an euch mein zu Vleis guttliche bitt, jr wollet bemerkter Hansen Perbachs nachgelassener Wittib mitt belonung von Gott dem almechtigen empfahen". Man möchte hoffen, dass diesem Ansuchen entsprochen wurde. Der Bau konnte schließlich glücklich vollendet werden. Wer auch unter den Einwohnern anfangs gegen das Vorhaben gewesen sein mochte, dem räumte der Stolz über das gelungene Werk jeden Unmut weg. Wie gewaltig überragte doch nun das steile, ziegelgedeckte Dach die Häuser gemeiner Bürgerschaft, und wie unübersehbar bildete nun das Rathaus ein Gegengewicht der zivilen Mächte gegen das mauerumwehrte Gotteshaus, das Symbol der Romkirche! (Quelle: CHR, Bd. 1, S. 121 f.)

Aus der Zeiler Stadtchronik (Marquardt)

Als Bindeglied zwischen den Fachwerkhäusern und den Sandsteinbauten sei hier als Abschluß das Rathaus aufgeführt. Gotisch ist der steinerne zweigeschossige Unterbau mit sandsteinumrahmten Tor- und Fenstergewänden. Am Südeck ist noch der Pranger zu sehen und die 67 cm lange Bamberger Elle. 1933, nach dem Auszug der Schule, durch Bürgermeister Baptist Geisel erstmals verbessert und mit einer Heizung versehen, wurde es durch einen vorsichtig und behutsam durchgeführten Umbau 1962 in den heutigen Zustand versetzt. Stilgerechte lichte Amtsräume mit allen modernen Ausstattungen lassen das alte Rathaus den neuzeitlichen Anforderungen vollauf gerecht werden. Den neuen Ratssaal schmücken ein gotisches Apostelrelief (zwei Altarflügelteile, die nach der neuesten Forschung aus der alten Pfarrkirche stammen), eine bäuerliche Barockmadonna, die aus der städt. Friedhofkappelle übersiedelt wurde, ein Kruzifix nach einem gotischen Nürnberger Vorbild, ein Zeiler Barockschrank und eine Vitrine mit geologischen, prähistorischen und historischen Funden aus der Stadt und ihrer Gemarkung. Auch das alte Archiv ist hier untergebracht, das neben den Bürgerratsprotokollen und anderen wertvollen Archivalien auch Pergamenturkunden aus der Zeit um 1400 aufweist. Weiteres über das Rathaus soll eine Arbeit des Rektors Erwin Marquardt aussagen:

Bei einer Würdigung des Zeiler Rathauses genügt es nicht, das wuchtige, aber ganz im Stile einer bäuerlichen Kleinstadt gestaltete Bauwerk für sich allein zu betrachten. Was dem gradlinigen, schlichten Bau seine besondere Note gibt, ist die innere und äußere Einheit der Gesamtkonzeption, in die er hineingestellt ist. Der Blick auf den in einem Halbrund ansteigenden Marktplatz fängt sich in der in den Scheitelpunkt gestellten St. Michaelskirche, die sich mit einem Tor gegen den Markt zu öffnet und so anschaulich die große, geistige Ordnung der mittelalterlichen Welt symbolisiert. Das mit der Giebelseite in den Marktplatz hineingestelle Rathaus unterscheidet sich mit seinen drei Geschossen nur durch Dimension und Strenge von den niedrigeren und wärmer gestalteten Bürgerhäusern des Halbrunds, und will nicht mehr, aber auch nicht weniger sein als Ausdruck eines auf seine Stadtrechte stolzen bäuerlich-bürgerlichen Gemeinwesens. Deutlich erkennbar sind die beiden Bauabschnitte, in denen das Rathaus erstellt wurde. Das Erdgeschoß und der 1. Stock stammen aus der Zeit um 1400. Die spitzbogigen Eingänge, bei dem Nordportal am Scheitel verkreuzt, und die gotischen Fenster mit Zwischengewänden im ersten Stock deuten darauf hin. Wir dürfen annehmen, dass kurz nach der Stadterhebung mit dem Bau begonnen wurde.
Der Abschlußstein des 1. Stockes trägt die eingehauene Jahreszahl 1540. Um diese Zeit wurde das in einfachem Fachwerk gehaltene 2. Stockwerk aufgesetzt. Da außer einigen Pergamenturkunden die Ratsakten der Stadt erst ab 1598 durchgehend erhalten sind, besteht die Annahme wohl zu Recht, dass in der Mitte des 16. Jahrhunderts das obere Stockwerk des Rathauses mit den wertvollen älteren Stadtakten abgebrannt ist und neu aufgebaut wurde.
Bei der Größe des Baues, der von 1825 bis 1927 Sitz der Zeiler Volksschule war, drängt sich die Frage auf, wozu wohl das weiträumige Gebäude in den vorausgegangenen Jahrhunderten bei nur halb so vielen Einwohnern gedient haben mag. Das Folgende möge einige Hinweise darauf geben.
Herzpunkt des Rathauses war die kleine Ratsstube im 2. Stock mit seiner schön profilierten Balkendecke und den Fachwerkwänden, wie sie in der heutigen Stadtkasse noch erhalten sind. In ihr wurde jeweils am Donnerstag Ratssitzung gehalten unter Vorsitz des Ober- bzw. Unterbürgermeisters, bei Strafsachen des Schulheißen, oft "in präsentia" des adeligen Herrn Oberamtmannes. Anwesend waren ferner die Herren eines "Ehrbaren Rats", die Viertelsmeister und der Ratsschreiber. Dabei standen die gleichen Angelegenheiten zur Debatte, wie sie in den Tagesordnungen einer Stadtratssitzung unserer Zeit enthalten sind mit der Ausnahme, dass zur damaligen Zeit auch die Rechtsfälle, die heutzutage das Amtsgericht wahrnimmt, zum Beispiel Schlägerei, Diebstahl, Beleidigungen, Vergehen gegen Maß und Gewicht, vom Rat der Stadt geahndet wurden. Die Entscheidungen des Rats zeigen oft erquickende, kernige Volkstümlichkeit und enden gewöhnlich in Geldstrafen von einigen Gulden oder ein paar Stunden Haft in der "Krausen", dem Stadtgefängnis oder am Pranger, der heute noch an der Südwestecke des Rathauses an die Zeit des alten bambergischen Stadtregiments erinnert.
Im 2. Stockwerk war wohl auch die Registratur untergebracht, in der die Stadtbücherei, die Ratsprotokolle, Testamentsbände, Kirchen-, Probsteiund Hochgerichtsakten, 1796 auf Hochfürst-lichen Befehl in Bände gebunden, neben den Rats- und Kirchenrechnungen aufbewahrt wurden. Die wesentlich größere Hochachtung der damaligen Zeit vor dem geschriebenen Wort mag daher rühren, dass damals Rechte, Gerechtigkeiten und Freiheiten nur mit Brief und Siegel beweiskräftig gemacht werden konnten, so dass nach dem zur Wiederherstellung der adeligen Sitze mörderischen Holzeinschlag nach dem Bauernkreig der Bischof den Zeilern sagen konnte, auch wenn ihre Holzrechte in alten "Urbariis" niedergelegt seien, so sei er sie anzuerkennen nur Willens, wenn sie Brief und Siegel darauf brächten.
Im ersten Stockwerk, das über die überdachte Außentreppe an der Nordseite zugänglich ist, lag der große Ratssaal. Es war eine große, durchgehende Halle mit Balkendecke. Seit der Unterteilung in Schulsäle und der Umgestaltung für Verwaltungsräume läßt nur noch ein Teil der mächtigen Holzsäulen, auf denen die schweren Balkenunterzüge des Saales ruhten, die wuchtige Weite der "großen Ratsstube" ahnen, wie sie sich in alter Zeit von den gemauerten Nischensitzen vor den schmalen gotischen Fenstern dem Besucher geboten haben mag. Hier erhielten die Bürger nach den Frontagen für "gemeine Stadt" ihren Frontrunk und Speis und Trank, wenn sie beim Besuch "Seiner Fürstlich Gnaden" mit dem Gewehr aufwarten mußten oder nach getaner Hochfürstl. Jagd das Wildzeug abführten. In diesem Raum, es war sicher der größte der Stadt, hielten die Bürger ihre Hochzeitstänze und zahlten für die Benutzung 8 Schilling, wovon der Ratsdiener 1 erhielt für seine Bemühung, wieder sauber zu machen. In der Ratsstube wurden auch jedes Jahr die Rechnungen über das Bürgermeisteramt und das Gotteshausamt (Rats- und Kirchenrechnungen) vor versammeltem Rat abgehört; danach wurde dann gegessen und erstaunliche Mengen Zeiler Weins getrunken.
Zur Vorbereitung des Essens diente die Rathausküche mit Speisekammer. Auf der Anrichttafel wurden die Schweine und am Martinstag - bei den Martinalien - die Gänse zubereitet, bevor sie an den zwei Bratspießen über den Feuerböcken schmorten. Zum Inventarium gehörten 1714 zwei große silberne Humpen, zwei Dutzend zinnerne Teller, Löffel und Becher, Pfannen, Töpfe usw. Im Weißzeugschrank lagen das lange und das kleine Tafeltuch mit roten und weißen Borten und die Serviettüchlein.
Das gesamte Erdgeschoß war in alter Zeit eine durchgehende Markthalle, in der die Becken und Metzger auf den Fleisch- und Brotbänken unter strenger Stadtaufsicht ihre Waren zum Verkauf anboten. Hier war auch, neben dem Längenmaß, der Bamberger Elle (67 cm) an der Außenseite des Rathauses, die Stadtwaage für Kauf und Verkauf an Markttagen untergebracht. Heute erinnert nur noch der Name "Fleischhäusla" an die damalige Aufgabe des weiten Raumes. Das Fleischhäusle, von Osten her zugänglich, durch Wände von der großen Halle abgetrennt, diente lange Zeit als Arrestzelle, und bis fast in die Gegenwart schreckte man damit die Kinder. Bis zu dem Umbau vor einigen Jahren waren in der Halle mit dem jetzigen großen Hauptportal des Rathauses die alten und neuen Feuerspritzen und Feuerleitern der Stadt untergebracht.
Schließlich ein Blick in Keller und Speicher: Der Rathausboden war, nachdem die Stadt dazu übergegangen war, stadteigene Felder, Wiesen und Weinberge zu verpachten, seit 1700 meist gleichfalls verpachtet, teils an das fürstliche Kastenamt zur Aufschüttung herrschaftlichen Getreides, teils an adelige Herrschaften, die ihr Zehntgetreide dort unterbrachten. Die Luke für den Außenaufzug der Kornsäcke zum Rathausboden wurde bei einer Renovierung des Rathauses leider zugemauert, ist aber an dem besonderen Zuschnitt des Fachwerks an dieser Stelle und dem Balkenkopf des Aufzugträgers noch erkennbar. Der Rathauskeller war meist an das Gotteshaus Zeil zur Unterbringung des Gotteshausweines verpachtet. Es waren in guten Jahren bis zu 6 Fuder, die dem Gotteshaus in seinen Weinbergen gewachsen sind. Da war es dann auch nicht tragisch zu nehmen, wenn in manchen Jahren ein oder zwei Eimer heimlich mit einer Röhre aus dem Spund gehoben wurden oder durch einen in die Seite des Faßbauches gemachten Anstich "entfremdet" wurden.
So weit E. Marquardt. (Quelle: CHR, Bd. 2, S. 341-346)