Zeiler Baudenkmäler

Schloss Schmachtenberg

  • Schmachtenberger Schloss

    Schmachtenberger Schloss vom Kapellenberg aus (Norden)

  • Schmachtenberger Schloss

    Zufahrt zum Schmachtenberger Schloss (Westen)

  • Schmachtenberger Schloss

    Im frühen 20. Jahrhundert, aus nordwestlicher Richtung

Hans Brech - Schloss Schmachtenberg

Laut Bayerischer Denkmalliste stammt das Schmachtenberger Schlösschen aus dem 17. Jahrhundert, während Hermann Mauer in seiner Chronik die Entstehung im 16. Jahrhundert ansetzt. Als Gründe hierfür nennt er die Renaissance-Bauweise und einen Balken mit der Jahreszahl 1553. Dann wäre wohl der Bamberger Bischof Weigand von Redwitz der Erbauer. Schriftlich dokumentiert ist die Gründung aber nicht, und auch der ursprüngliche Zweck des Gebäudes liegt im Dunkeln. Möglicherweise hat es sich um die Wohnung des Burgverwalters oder des fürstbischöflichen Försters gehandelt, möglicherweise war es auch ein Gut der Bamberger Obrigkeit. Seine Nutzung als Jagdschloss ist seit 1800 belegt, könnte aber auch schon wesentlich früher bestanden haben, wie baugeschichtlich nachweisbare Umbauten zu Gästezimmern nahelegen.

Im Lauf der Jahrhunderte ist das Anwesen mehrmals verändert worden, so dass der ursprüngliche Zustand schwer zu ermitteln ist. Im Kern dürfte es sich beim Haupthaus um einen zweigeschossigen Fachwerkbau gehandelt haben. Die heutigen Dachtürmchen und der nördliche (linke) Eckturm stammen aus dem 20. Jahrhundert.

Heute sind ans Haupthaus zwei Flügel angebaut. Beim nördlichen handelt es sich um einen eingeschossigen, langgestreckten Satteldachbau mit Sandsteinmauerwerk, der aus dem 19. Jahrhundert stammt. Der Südflügel, der der Straße nach Bischhofsheim entlang verläuft, ist ursprünglich eine Scheune, die im 18. und 19. Jahrhundert entstand. Er besteht teilweise aus Sandsteinmauerwerk, teilweise aus Fachwerk.

Seit der Säkularisation befindet sich das Schlösschen in mehrfach wechselndem Privatbesitz. 1939 erwarb es die Familie von Zanthier, in deren Besitz es sich seitdem befindet.

Aus der Chronik der Stadt Zeil am Main

Diesem Kapitel möge abschließend die kurze Beschreibung des Schmachtenberger "Talschlöss-chens" angefügt werden, das in seiner Entstehung dem 16. Jahrhundert zugerechnet werden muss. Es erhebt sich am östlichen Ende des Dorfes, wo die enge Gollachschlucht zwischen der auslaufenden Schmachtenbergnase und dem Zeiler Altenburgrücken (jetzt: Kapellenbergrücken) in freieres Gelände ausmündet.
Mit der Schauseite über die Häuser des Dorfes in die Mainaue hinausblickend, sieht es heute mit seinem gepflegten Vorgarten und dessen Bäumen und Sträuchern, mit den spielerisch auf das steile Dach hinaufgesetzten Erkerchen und Türmchen, mit seinem Holzvorbau am Nordwesteck fast märchenhaft verträumt aus, einer vergangenen Zeit angehörend. Es ist manches an ihm herumgebastelt worden, was seine Enstehung in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts teilweise verdeckt.
Wenn auch bis jetzt jede verbürgte Nachricht über sein Entstehen fehlt, so verrät doch die Schauseite in ihrer Baugestaltung den Stil der Renaissance. Im Unterbau aus festem Gestein öffnet sich ein rundbogiges Tor, das alten Kutschen oder anderen Fahrzeugen gut und gern Einlass gewähren konnte. Für Fußgänger indessen war und ist eine weitaus schmälere Rundbogenpforte bestimmt, die wie das Tor in eine Eingangshalle mündet. Über dem etwas feuchten und kühlen Erdgeschoß erhebt sich ein Oberstock, der allem Anschein nach mit Hilfe von Holzfachwerk errichtet wurde. Ein deutlich herausgesetztes Gesims trennt beide Geschosse voneinander. Die Gestaltung der Fenster im unteren Stockwerk weist Rundbögen auf, die im oberen sind mit ihrem Sturz geradlinig gestaltet und auf guten Zutritt des Tageslichtes berechnet.
Wer das Geierswörthschlößchen in Bamberg kennt, dem fällt die ziemlich enge Verwandtschaft in der Gestaltung der Schauseite beider Baukörper auf. Das Bamberger Gebäude wurde in der Frührenaissance geschaffen; diesem Zeitabschnitt müßte das Schmachtenberger Schlößchen auch zuzuteilen sein. Als sein Erbauer darf wohl der Bamberger Bischof Weigand von Redwitz gesprochen werden, Herr des Hochstifts an Regnitz und Obermain von 1522 bis 1556.
Der ursprüngliche Zweck des Gebäudes mag ein anderer gewesen sein, als etwa bei Jagdausflügen des Bamberger Hofes in den wildreichen Zeilforst der Übernachtung zu dienen. Es scheint vielmehr zuerst einem Verwalter der zu Höhenschloss Schmachtenberg gehörigen Äcker, Wiesen und Weinberge als Wohnsitz gedient zu haben. Darauf weisen unter anderem Wirtschaftsgebäude hin, die sich hinter dem Wohnbau beiderseits eines schmalen Innenhofes erstrecken. Aus Fachwerk errichtet, wurden sie nach einer in einem alten Balken eingebrannten Jahreszahl 1553 erweitert und erhöht. Vielleicht darf in dieser Zahl ein Hinweis darauf gesehen werden, dass der ganze Bau beim Vorbeizug Albrecht Alcibiades von Ansbach 1554, wobei dem Bamberger Hochstift erdenklicher Schaden zugefügt und die Burg auf dem Schmachtenberg ausgebrannt wurde, keine Feuersnot zu durchstehen hatte.
Unter dem rechten Seitentrakt tut sich übrigens ein sehr geräumiger Keller auf. Dem Anschein nach hatte er den Ertrag des großen bischöflichen Weinbergs auf der Südseite des Burgbergs aufzunehmen. Am Hauptbau selbst wurde später auch gearbeitet, wie die Zahl 1597 am südwestlichen Außeneck unter der Regenrinne erkennen läßt. Es ist sehr leicht möglich, dass damals der Verwalter umquartiert und die nicht wenigen Gastzimmer geschaffen wurden, die jetzt noch im Schlösschen vorhanden sind. Die meisten der Zimmerdecken sind stuckiert. Sie boten jedenfalls für Jagdgäste der Bischöfe, die besonders zur Zeit Friedrich Carls von Schönborn im Zeiler Bereich sich standesgemäß vergnügten, bequeme Unterkunft.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts muss das Schlößchen hochstiftischen Jägern eingeräumt worden sein. Für 1801 jedenfalls erzählt J.B. Roppelt in seiner "Historisch-topographischen Beschreibung des kaiserlichen Hochstifts und Fürstentums Bamberg" (Nürnberg 1801), dass sich im Dorfe Schmachtenberg ein "Fürstliches Jägerhaus" befände.
Nach Enteignung der geistlichen Fürsten von weltlichem Besitz (Säkularisation) kam auch das Schlößchen in private Hände. Unter ihnen befand sich ein Herr von Ziegler, 1858 nach in Würzburg wohnend, der nach Aussagen alter Schmachtenberger ein altes Wappen über dem Tor abmeiseln und dafür sein eigenes habe anbringen lassen. Die Weintrauben und Rosen im viergeteilten Schild künden jedenfalls nur davon, dass dieser Herr seinen Sitz als einen der heiteren Lebensfreude gewidmeten habe kennzeichnen wollen.
Ein späterer Eigentümer, der Steinbruchbesitzer Reinhard von Zeil, welcher in einer Zeit der Blüte der von ihm betriebenen Schleifstein-Herstellung das Schlösschen kaufte, nahm mancherlei Veränderungen dort vor. So erbaute er an der Südseite einen Turm. Dann setzte er auf die Erker des Wohngebäudes die türmchenartigen Abschlüsse und schmückte den Dachgiebel mit ähnlichem Zierat. Der Erker am Nordwest-Eck soll auch auf ihn zurückzuführen sein. Er konnte den Besitz nicht lange halten.
Nach 1937 erwarben Herr und Frau von Zanthier (Zander) das Schlösschen mitsamt der Ruine auf dem Schmachtenberg. (Quelle: Chronik der Stadt Zeil am Main, Band III, S. 274-276)