Zeiler Baudenkmäler

Sechsthal 1

  • Mühle Sechsthal

    Leider vom Verfall bedroht: Die traditionsreiche Sechsthaler Mühle

Hans Brech - Sechsthal 19

Die ehemalige Mühle ist ein ein- bis zweigeschossiger Fachwerk-Walmdachbau mit winkelförmigen Grundriss. Das Erdgeschoss ist teilweise massiv. Bezeichnet ist das Gebäude auf 1811.

Bis 1920 verlief mitten durch das Grundstück die Grenze zwischen dem Königreich Bayern und dem Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha. Die Mühle selbst war bayerisch, während die Nebengebäude auf "preußischem" Gebiet standen (s.u. "Gschichtli und Geschichte")

Sechsthal als Grenzort zu Sachsen-Coburg und Gotha (Ludwig Leisentritt in der Festschrift zur 750-Jahr-Feier)

Es ist kaum mehr geläufig, dass bis 1920 hinter Sechsthal Bayern endete und das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha begann.
Wie grotesk die Grenzsituation sein konnte, belegt der Status der einstigen Habermann-Mühle (heute Pommer) in Sechsthal. Während die Mühle noch bayerisch war, gehörten die landwirtschaftlichen Gebäude zum Ausland. Das schöne rustikale Grenzschild steht heute im Eingangsbereich des Zeiler Rathauses. Beim Krieg gegen die Preußen, stand 1866 Sachsen-Coburg-Gotha und damit das benachbarte "Ausland" um Königsberg auf Seiten der Preußen. Es kam damals zu komischen Situationen. Die Dörfliser Bauern hatten im Maintal Wiesen, deren Heu sie jedoch nicht ernten durften, weil Dörflis eben zu Sachsen gehörte. Das Kerndorf Sechsthal war schon immer bayerisch gewesen. Doch das Mühlenanwesen war bis 1920 durch die frühere Landesgrenze geteilt. Die landwirtschaftlichen Gebäude, Scheuer, Stall, usw. gehörten ehemals zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, während die Mühle bayerisch war. An der Straßenkreuzung zum Dorf und zur Mühle standen auf der westlichen Straßenseite die bei den Grenztafeln für die Landesgrenze.
Das königliche Bezirksamt in Haßfurt forderte 1866 alle Bürger von Krum auf, "bei Tag und Nacht strengste Aufsicht zu unterhalten, ob nicht aus dem Sachsen-Coburgischen Gebiet preußische Truppen sich der bayerischen Grenze nähern oder sie überschreiten". Im Falle einer solchen Annäherung hatte der Gemeindevorsteher sofort einen verlässlichen Boten mit kürzester Fassung der Nachricht an das kgl . Bezirksamt in Haßfurt abzuordnen. "Die beiläufige Anzahl der sich nähernden oder überschreitenden Feinde ist anzugeben und wenn es auch nur einzelne Mann sein sollten". Den protestantischen etwas nach Königsberg orientierten Sechsthalern hatte man damals offenbar nicht ganz getraut. Es gehört zur Ironie der Geschichte, dass dann 120 Jahre später ein Preuße im benachbarten Krum die Feuerwehr kommandierte . . .
Ein sehr kunstvoll gestaltetes Grenzschild des Königreiches Bayern stand bis 1920 bei Sechsthal, wo die sächsische Enklave Königsberg begann . Die fast 100 Jahre "grünweiße Insel im großen bayerischen weißblauen Meer" hatte sich in einer Volksabstimmung für die Eingliederung nach Bayern entschieden und damit indirekt Hofheim aufgewertet, das nun Sitz eines Landratsamtes wurde. Der überflüssig gewordene Grenzpfahl ist heute im Eingangsbereich des Rathauses zu bewundern.
Er erinnert auch an die Zeiten vor 1830, als Schmuggel über die Grenzen im Raum Königsberg aber auch in den Heiligen Ländern an der Tagesordnung war und die wirtschaftliche Entwicklung bis dahin hemmte. Die "Einschwärzer" haben sich sogar Gefechte mit der Gendarmerie geliefert. Vor allem Salz war ein beliebtes Schmuggelgut. An den Stammtischen erzählten sich früher alte Krümler abenteuerliche Geschichten von den Salzschmuggeleien. Erst eine Änderung der Zollverordnung machte diesem Unfug ein Ende.