Zeiler Baudenkmäler

Bahnhof Zeil

  • Untere Scheuerngasse 2

    Bahnhof 2016

  • Untere Scheuerngasse 2

    Güterhalle

  • Untere Scheuerngasse 2

    Bahnhof 1907 mit Bahnbeamten bei der Freigabe des zweiten Gleises (s.a. unten: Gschichtli und Geschichte)

Bahnhof Zeil

Im Jahr 1852 fuhr die erste Eisenbahn im neuerbauten Zeiler Bahnhof ein. Die Anbindung an die Bahnlinie Bamberg-Schweinfurt und damit ans deutschlandweite Netz bot nun die Voraussetzung für gesteigerte persönliche Mobilität und einfachen Gütertransport. Diese Faktoren begünstigten die Industrialisierung der eher landwirtschaftlich geprägten Kleinstadt Zeil. Auf der bis dahin hauptsächlich landwirtschaftlich genutzten Fläche zwischen Scheuernvorstadt und Bahnhof siedelten sich die Lumpensortiererei Mölter (1864) und und mehrere Steinmetzbetriebe an bzw. vergrößerten sich. Gleichzeitig eröffneten dort einige neue Gaststätten. Innerhalb weniger Jahrzehnte entstand so das Siedlungsgebiet "Bamberger Straße" - "Bahnhofstraße" und "Mittelweg" sowie etwas später auch noch "Sander Straße" durch die eminent wichtige Ansiedlung der "Baumwollspinnerei Erlangen-Bamberg" (später nur "ERBA") jenseits der Bahnlinie. Die Entwicklung Zeils seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist ohne den Bahnhof überhaupt nicht vorstellbar. Durch ihn wurde Zeil endgültig in die "neue Zeit" befördert. Auch die Ansiedlung der Zuckerfabrik und der Allmilmö-Werke im 20. Jahrhundert hätte es ohne Anbindung an die Bahnlinie nie gegeben.

Das Bahnhofsgebäude, zwischen 1851 und 1853 errichtet, ist ein zweigeschossiger Sandsteinbau mit Walmdach im spätklassizistischen Stil. Das Erdgeschoss beherbergte die Empfangshalle mit Wartesaal sowie den Schalter für die Fahrkartenausgabe und das Stellwerk. Im Obergeschoss war Platz für Wohnungen der Bahnbeamten. Heute ist der Bahnhof ohne Funktion für den Bahnbetrieb. Immer wieder in den letzten Jahrzehnten waren darin Cafés und Kneipen untergebracht, von denen sich allerdings keine allzulange behaupten konnte. Glücklicherweise ist Zeil aber immer noch Haltestelle, wenn auch nur für die Regionalbahn.

Zum Bahnhof gehört auch die ehemalige Güterhalle, etwa hundert Meter weiter südöstlich und 1855 errichtet.

Aus Ludwig Leisentritt: Zeil in alten Bildern

Die Eisenbahn hat maßgeblichen Anteil an Zeils Industrialisierung. Ohne sie hätte sich 1890 die Mechanische Weberei hier nicht angesiedelt. Die Inbetriebnahme der Strecke erfolgte 1852. Etwa 15 Jahre später eröffnete die Bahnhofs-Restauration ihren Betrieb. Auf dem Bahnsteig ließen sich 1907 bei der Übergabe des zweiten Gleises fotografieren: die Stationsdiener Braun, Lehmann und Düsel; der Bahnhofsvorstand Gundert-Glückert, Bennewitz und Weibel; die Postboten Waldhäuser, Basel und Steigner. [s. Bild 3] Im Hintergrund ist eine gerade mit dem Zug gelieferte Nähmaschine für eine Zeiler Familie eingetroffen, wofür ein Arbeiter etwa einen Monatsverdienst aufzuwenden hatte. Unumstritten war der Eisenbahnbau keinesfalls. Das Gedicht eines Haßfurter Bauern drückt den damaligen Unmut so aus: "A Dunnerwetter hört a mol, itz so'n verrückt'n Sträch. Vu Bamberch runter kummt sa bald, sie müss'n ehn doch frech. Mit ihrer Luders Eisaboh, s'is doch unner Fald, die denka ner, mer fängt su'o o, die Acker kosta Gald." Nicht alle auswärts arbeitenden Zeiler benutzten die bequeme Eisenbahn. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts sind sogar Weberinnen und Weber ins Werk nach Gaustadt zu Fuß gelaufen, um sich das Fahrgeld zu sparen, Dennoch hatte die Bahn nicht wie heute über leere Züge zu klagen. Von 1907 bis 1912 sind z.B, im Bahnhof in Haßfurt pro Jahr etwa 120.000 Fahrkarten verkauft worden. Das bedeutete, daß ca. 350 Reisende pro Tag einen Zug benutzten. (Quelle: Zeil in alten Bildern, S. 91)