Zeiler Baudenkmäler

Am Kreuzfriedhof

  • Südansicht

    Portal, Kreuzkapelle und Golgathagruppe

  • Südwestansicht

    Betzelmann-Marter und Kreuzkapelle

  • Leichenhaus

    Kindergräber, ehem. Leichenhaus und Kreuzkapelle (ca. Anfang 20. Jh.)

Kreuzfriedhof mit Heilig-Kreuz-Kapelle und Golgathagruppe

Der Kreuzfriedhof liegt einige hundert Meter außerhalb der Stadtmauer und hat spätestens seit dem 16. Jahrhundert mehr und mehr den alten "Kirchhof" ersetzt. Zur Entstehungszeit lag er direkt an der Hauptverkehrsstraße von Zeil nach Bamberg. Auf dem Gelände befinden sich vier Baudenkmäler: Die Heilig-Kreuz-Kapelle, das Eingangsportal, die Golgathagruppe und ein Bildstock, die sog. "Betzelmann-Marter", die in der Rubrik "Bildstöcke" behandelt wird. Eine bis zu 2,5m hohe Sandsteinmauer umgibt das gesamte Gelände.

So wie einst im Spätmittelalter der Kirchhof zu eng geworden war, geschah es in den 1960er Jahren auch mit dem Kreuzfriedhof. 1965 wurde der "Hainfriedhof" nahe der Mühlleite im Norden der Stadt eingeweiht. Inzwischen verwaisen immer mehr Gräber auf dem Kreuzfriedhof und die Grabstellen bleiben leer.

Weisel Kreuzfriedhof

Heinrich Weisel: Der historische Zeiler Kreuzfriedhof und seine Bauwerke (1998)

Im November des letzten Jahres [= 1997] berichteten die hiesigen Lokalzeitungen, daß auf Beschluß des Stadtrates die gefährlich schräg nach außen geneigte Friedhofsmauer des Kreuzfriedhofs saniert und korrigiert werden soll. Auch das angrenzende Umfeld soll in diesem Zusammenhang neu gestaltet werden. Der dazu vorgelegte Plan eines Ebelsbacher Architekturbüros läßt eine wesentliche Verschönerung des Vorplatzes erwarten.
Beim Schmökern in Geschichtsbüchern und in der Stadtchronik sowie in alten Ratsunterlagen fanden sich viele interessante Informa-tionen als Grundlagen für den nachfolgenden Bericht.
Der Bereich des Kreuzfriedhofs mit seinen kunstgeschichtlich schon oft gewürdigten Bauwerken wird heutzutage nur von untergeordneten Seitenstraßen tangiert. In früheren Zeiten führte jedoch die Hauptverkehrsstraße in Richtung Bamberg direkt an ihm vorbei. Vom Marktplatz weg bewegte sich der Verkehr durch die Langgasse, durch das Untertor und über die Altachbrücke, durch die Friedhofsstraße, vorbei am Friedhof und durch die Schützenbergstraße zur Stadt hinaus nach Ziegelanger. Händler und Fuhrleute, Soldaten zu Pferd und zu Fuß, Amtsboten und Kuriere, arbeitssuchende Gesellen und Vagabunden ohne Ziel, alle passierten sie den Bereich des Friedhofs vor der Stadt und mancher hat vielleicht beim Anblick des Gräberfeldes an sein eigenens letztes Stündchen gedacht und ein Stoßgebet gesprochen.
Der erste Zeiler Friedhof befand sich seit dem 12./13.Jahrhundert direkt an der Stadtpfarrkirche innerhalb der heute noch vorhandenen Umfassungsmauer. Als nach dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) die Bevölkerung der Stadt anwuchs, reichte dieser Friedhof nicht mehr aus und man begann ab ca. 1650 mit der Anlegung eines neuen Friedhofs weit draußen vor der Stadt, wo schon die Heilig-Kreuz-Kapelle stand.
Dieser Kirchenbau ist das älteste Gebäude im dortigen Bereich und stammt aus dem 15. Jahrhundert. Aus welchem Anlaß diese Kirche gebaut wurde und wer der Baumeister war, ist unbekannt. Im Jahre 1448 fand die Einweihung statt. Aus der Bauzeit dieser Heilig-Kreuz-Kapelle in Zeil fanden sich eingemeißelte und noch heute sichtbare Steinmetzzeichen, die auch an der Ritterkapelle in Haßfurt vorkommen. Dort wurde 1444-1455 unter Förderung des Würzburger Bischofs Johann von Brunn am Kirchenschiff gebaut. Es ist deshalb denkbar und sogar wahrscheinlich, daß der Baumeister sowie die Steinmetzen der Haßfurter Baustelle auch in Zeil tätig waren.
Ob die Heilig-Kreuz-Kapelle schon von Anfang an ein Glockentürmchen hatte, ist ebenfalls nicht bekannt. Aus den Zeiler Gotteshausrechnungen ist jedoch ersichtlich, daß der örtliche Zimmermann Jörg Hoffmann im Jahr 1706 an Bezahlung etwas mehr als einen Gulden bekam für verschiedene Zimmermannsarbeiten an der "Heiligen Creütz Capellen". Er hatte im Zusammenhang mit der Auf- und Errichtung eines steinernen Glockentürmchens auch einen Balken als stabilisierende Verbindung zu den Dachsparren einzuziehen. Aufgrund einer Geldspende der Försterswitwe Anna Wallenhöfer für eine neue Glocke wurde eine solche zum Preis von 58 Gulden beim Glockengießer in Bamberg bestellt und geliefert. Das steinerne Türmchen zur Aufnahme der neuen Glocke setzte der hiesige Meister Melchior Kurtz auf die Giebelwand. Die Lieferung der notwendigen Steine aus seinem Bruch und das Zurichten auf die nötigen Maße durch seine Gesellen übernahm Meister Kurtz kostenlos. Er verlangte nur eine Bezahlung für das Aufstellen des notwendigen Arbeitsgerüstes und die eigentliche Maurerarbeit, dafür bekam er 8 Gulden 7 Pfund 27 Pfennig vergütet.
Der Glockenturm hielt jedoch nur einige Jahrzehnte und wurde durch die Schwingungen der läutenden Glocke nach und nach instabil. Deshalb berieten im Jahre 1745 die Zeiler Stadtväter über die Notwendigkeit, ein neues und stabileres Türmchen auf die Heilig-Kreuz-Kapelle machen zu lassen. Es fanden sich Wohltäter in der Stadt, die bei der Finanzierung der Kosten unterstützend eingreifen wollten. Man holte zwei Angebote ein, eine Ausführung in Holz von einem Zimmermann und eine Ausführung in Stein vom Zeiler Meister Conrad Scheuring. Die Holzausführung sollte 60 Gulden kosten und dazu reichte das vorhandene Geld bei weitem nicht aus. Das Angebot von Conrad Scheuring belief sich dagegen nur auf 10 Gulden für das notwendige Steinmaterial mit Zubehör sowie zusätzlich einige Taglöhne für die Maurer- und Befestigungsarbeiten. Da die Ratsherren wegen des geringen Preises von Scheuring anscheinend etwas skeptisch waren, fertigte dieser noch eine Skizze an, legte sie vor und erklärte genau, wie die Ausführung des neuen Glockenturmes gedacht sei. Daraufhin waren die Herren im Rathaus von der geforderten Stabilität überzeugt und erteilten noch am gleichen Tag nachmittags den offiziellen Auftrag, man schrieb den 13. September 1745.
Conrad Scheuring führte alsbald die Arbeit aus, verband die Steine untereinander mit Eisenklammern und ließ die Löcher in den Steinen nach der Verklammerung mit flüssigem Blei ausgießen. Eine weitere Stabilisierung des Glockentürmchen nach hinten zum Dach durch Eisenstangen erfolgte wegen der Glockenschwingungen und siehe da, die Arbeit des Fachmanns hielt bis heute. Wer es sehen will, kann es jederzeit mit eigenen Augen im Kreuzfriedhof von unten anschauen und begutachten.
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Das nächstälteste Bauwerk im Friedhofsbereich ist der von "Hannß Betzelmann" gestiftete Bildstock aus dem Jahr 1622. Das schön gestaltete Werk hat er laut Inschrift "Gott und unser lieben Frauen zu Ehren machen lassen". Der alte Schaft des Bildstocks ist in der Friedhofsmauer unlösbar eingefügt. Im Jahr 1984 ließ die Stadt Zeil durch den Steinmetzmeister Andreas Brecht einen neuen Schaft anfertigen und im Friedhof neben dem Brunnentrog aufstellen. Das kunstvolle Kapitell wurde renoviert und wieder oben aufgesetzt und mit dem Unterteil verbunden. So wie man heutzutage beim Fotografen ein Familienbild der Eltern mit ihren Kindern machen läßt, so meißelte 1622 der kunstfertige aber unbekannte Steinmetz den Stifter Hannß Betzelmann mit seiner Ehefrau und den 8 Kindern in Stein auf eine Seite des Kapitells.
Wer sich in Zeil in der Zeit zwischen 1616 und 1631 mit der Heimatgeschichte beschäftigt, der gerät todsicher in die schreckliche Szenerie der Hexenverfolgungen. Fast alle Zeiler Familien waren direkt oder indirekt davon betroffen, so auch der obengenannte "Hannß Betzelmann", der Stifter des Bildstocks im Friedhof. Er war im Jahr 1625 als Viertelmeister tätig, d. h. er hatte in seinem Stadtviertel ortspolizeiliche Befugnisse und beaufsichtigte und kontrollierte die Durchführung und Einhaltung von Verordnungen des Stadtrats. Er gehörte selbst zu der gehobenen Bürgerschicht innerhalb der Stadt. Ob ihm wohl nach den zahlreichen Hexenprozessen zwischen 1616 und 1619 eine Vorahnung kam, was noch Schlimmeres passieren sollte und er deshalb zum Schutz seiner Familie und für sein eigenes Seelenheil mit der Errichtung des Bildstockes ein gutes Werk tun wollte? Aus den Aufzeichnungen des kürzlich verstorbenen Rektors a.D. Erwin Marquardt, der sich im Zusammenhang mit der Erstellung der Stadtchronik jahrelang mit dem Hexenthema beschäftigte, ist zu entnehmen, daß auch zwei Frauen mit Namen "Betzelmann" ohne Aussicht auf Rettung in die Todesmaschinerie der Hexenrichter hineingerieten. In der Liste der hingerichteten Personen ist am 30.04.1627 eine "Barbara Betzelmann, geb. Götz" verzeichnet, es handelte sich bei ihr wahrscheinlich um die Ehefrau von "Hannß Betzelmann". Auch die geachtete Stellung ihres Ehemannes konnte sie nicht vor dem Tod retten. Zwei Jahre später, am 10.03.1629 wurde "Barbara Betzelmann, ledi-ge Tochter des Paulus Betzelmann" nach ihrer Verurteilung verbrannt. "Paulus Betzelmann", von Beruf Rotgerber, war entweder der Bruder oder zumindest ein naher Verwandter von "Hannß Betzelmann".
Bereits im Jahr 1627 hatte der angesehene Zeiler Bürger Conrad Wildenberger in seinem Testament einen Taler an Geld "zur Ver-besserung der Steinmarter bey der Capellen zu Zeyll" vermacht. Diese testamentarische Spende war für den Betzelmann-Bildstock gedacht. Welche Verbindungen es zwischen den Familien Betzelmann und Wildenberger gab, ist nicht bekannt. Doch die Mutter Dorothea des Johann Caspar Degen, des späteren Ebracher Abtes Alberich Degen, war eine geborene Wildenberger. Sie wurde ebenfalls der Hexerei angeklagt, am 16.02.1628 "eingefangen" (=festgenommen) und schon bald darauf, nämlich am 26.02.1628, verurteilt und verbrannt. Auch eine Anna Magdalena Wildenberger wurde am 04.08.1627 ver-brannt, ebenso ein Alexander Wildenberger am 29.11.1627. Schließ-lich verstarb auch noch eine Frau namens Christina Wildenberger am 30.01.1630 im Zeiler Hexengefängnis.
Egal ob arm oder reich, wer in die Prozedur der "Verhöre" durch die Hexenrichter geriet, hatte keine Chance auf ein Überleben. Viele Familien wurden dezimiert oder ausgelöscht, es war wie eine Sippenhaft. Wenn der Betzelmann-Bildstock im Friedhof reden könnte ....!!!
Ein außergewöhnliches Bauwerk befindet sich außerhalb der jetzigen Friedhofsmauer. Es handelt sich dabei um ein Werk der Sühne für einen begangenen Mord, wie der Zeiler Stadtchronist Hermann Mauer bereits 1971 in einem Beitrag der Jahresausgabe des Historischen Vereins Bamberg berichtete.
Im Jahre 1616 fand sich in Zeil eine Gruppe von jüngeren Bürgern unter Anleitung des Lehrers Valtin Ditz zusammen, um in ihrer Freizeit und zur Erbauung von geladenen Gästen Laienspiele aufzuführen. Auch bei erfolgreichen Auftritten mit 13 Mitwirkenden um die Osterzeit in Haßfurt und Eltmann, wo sie die "Dragedij von der Zerstörung Troja" spielten, bekamen sie Beifall und Anerkennung. Angespornt durch diese Theatererfolge studierten die Zeiler Laienspieler eine weitere "Comedij" ein, die sich um die Geschichte der Judith aus dem Alten Testament drehte. Einer der bisherigen Schauspieler mit Namen Georg Pfersmann bekam aber von Lehrer Valtin Ditz aus unbekannten Gründen keine Rolle übertragen. Das Schauspiel wurde am 2. Weihnachtsfeiertag 1616 im Zeiler Rathaussaal aufgeführt und Georg Pfersmann war nur Zuschauer. Die Darbietung der Spieler wurde erneut mit großem Beifall bedacht und im Rathaus wurde ihnen von Bürgermeister und Stadtrat für ihre Leistung ein Ehrentrunk gereicht. Als dies der zurückgesetzte Georg Pfersmann miterleben mußte, konnte er seinen Ärger und Zorn nicht mehr unterdrücken. Er beschimpfte den Schulmeister wegen der Nichtberücksichtigung beim Theaterspiel. Nachdem Valtin Ditz einen Streit vermeiden wollte und heimging, verfolgte ihn Georg Pfersmann. Außerhalb des Rathauses zog er sein Messer aus der Scheide und erstach den Valtin Ditz "ganz jemmerlicher unschuldiger weiß". Nach der Bluttat wurde der noch unverheiratete Georg Pfersmann flüchtig, vom Malefizamt in Bamberg wurde nach ihm gefahndet und sein Vermögen beschlagnahmt. Wie sich später zeigte, suchte er Zuflucht in Kärnten. Seine Verwandten in Zeil waren wohlhabende und einflußreiche Bürger und Ratsmitglieder und setzten sicher alles in Bewegung, um den Täter vor einer Anklage und Verurteilung zu bewahren. Sie trafen mit der Familie des Ermordeten eine private Übereinkunft, wonach diese eine größere Summe an Sühnegeld bekam und dafür keine weitere Verfolgung und Anklage anstrebten. Die Reue des Täters wurde sichtbar gemacht in dem 1623 errichteten Sühnemal nahe bei der Heilig-Kreuz-Kapelle. Aus einem Zeiler Ratsprotokoll von 1643 geht hervor, daß der Ratsherr Albert Pfersmann im Jahre 1637 längere Zeit auf einer Reise in Kärnten war. Wen wird er dort wohl besucht haben?
Welcher Baumeister das kunstgeschichtlich schon oft gewürdigte Sühnebauwerk im Auftrag der Familie Pfersmann errichtete, ist nicht bekannt. In alten Unterlagen wurde es "Hl. Creütz bei der Creützcapellen" genannt, in späteren Jahren Schächerkapelle oder Golgathakapelle. An der Vorderseite der steineren Brüstung ist ein noch heute zu sehender Stein für die Aufnahme einer Opferbüchse vorhanden. Die daran eingeworfenen Spenden tauchten jedes Jahr in der Kirchenrechnung auf. Sicherlich haben hier vorbeikommende Reisende oder Fuhrleute auf ein gutes Gelingen ihrer Reise oder Fahrt in Richtung Bamberg gehofft und in stillem Gedenken angesichts der dargestellten Kreuzigung Christi einige Münzen geopfert. Die am Rande des Maintals entlangführenden Wege und Stege waren wenig befestigt und oftmals gefährlich wegen hungriger Wegelagerer und räuberischer Schnapphähne.
Das einfache und leicht geneigte Dach des Sühnebauwerks von 1623 hielt dem Wettereinfluß nur bis etwa 1700 stand. Dann beauftragte die Kirchenverwaltung den Zeiler Zimmermann Jörg Hoffmann mit der Abtragung des alten und der Aufrichtung eines neuen Daches. Er fertigte das jetzige, schön geformte Dach im Jahr 1701 zum Preis von 2 Gulden 3 Pfund 11 Pfennig und der Dachdecker Servatio Engel aus Haßfurt nagelte zum besseren Schutz die Schieferplatten auf. Beide Meister, ihre Gesellen und die sonstigen Helfer bei den Arbeiten erhielten nach Abschluß 8 "Maaß" Wein (=ca. 10 Liter) des 1699iger Jahrgangs für einen damals üblichen Umtrunk, der sicherlich recht feuchtfröhlich ausfiel.
Ein letztes Bauwerk des gesamten Areals ist die derzeit bis zu 2,25 m hohe Friedhofsmauer, die wegen ihrer zunehmenden Schrägstellung saniert werden soll. Sicherlich war sie anfangs nur niedrig und diente hauptsächlich zur Abgrenzung gegenüber dem vorbeiführenden Verkehrsweg in Richtung Bamberg. Dies geht auch daraus hervor, daß der alte Schaft des Betzelmann-Bildstocks auf der Mauer in nur 95 cm Höhe aufgesetzt ist.
Aus alten Zeiler Unterlagen ist bekannt, daß die ersten Grabreihen und Gräberfelder ganz nahe bei der Heilig-Kreuz-Kapelle angelegt wurden. Dort wies auch das vorhandene Gelände noch verhältnismäßig wenig Steigung auf. Durch die wachsende Bevölkerung stieg aber auch die Anzahl der Todesfälle und damit der Bedarf an Gräbern. Man vergrößerte die Belegungsfläche links und rechts der Kapelle entlang des vorbeiführenden Verkehrswegs und die Begrenzungsmauer wurde dementsprechend verlängert. Als auch diese Flächen nicht mehr ausreichten, erwarb man nach und nach von den Eigentümern der direkt anstoßenden Weinberge der Gemarkung "Kleinert" weiteres Feld und begann nun, bergaufwärts und terassenförmig zu erweitern. Um das abfallende Gelände nutzbar zu machen, wurde im oberen Bereich Erde abgetragen und unten teilweise wieder abgelagert. Dadurch war eine angleichende Erhöhung der Friedhofsmauer nötig, die so um 1820 eine Höhe von etwa 1,65 m Höhe erreicht hatte. Doch da auch die Bewohner von Schmachtenberg und Ziegelanger sowie die Katholiken von Bischofsheim hier ihre letzte Ruhe fanden, war schon bald wieder eine Erweiterung notwendig. Aus einem "Kostenverzeichnis über die Vergrößerung des hießigen Kirchhofs" von 1822/23 ist diese nächste Erweiterung zu entnehmen. Demnach wurden durch die Stadtverwaltung von den Angrenzern, dem Schreiner Busch (für 52 Gulden 42 Kreuzer) sowie dem Johann Dietlein (für 40 Gulden) jeweils ein "Stückchen Weinberg" abgekauft für die geplante Vergrößerung der Belegungsfläche. Drei Taglöhner benötigten je 6 1/2 Tage, um den angekauften Platz einzuebnen. Die Kosten für eine notwendige Mauererhöhung entlang der vorbeiführenden Straße "um 2 Schuh" (=55-60 cm) beliefen sich auf 27 Gulden und eine seitliche Abschlußmauer auf der Stadtseite bis hinauf an die angrenzenden Weinberge kostete an Arbeitslohn für zwei Maurer 6 Gulden 41 Kreuzer. Einschließlich der Fuhren an notwendigen Steinmaterialien belief sich die Gesamtsumme dieser Erweiterungsmaßnahme auf 138 Gulden 7 Kreuzer. Der aufgeführte Finanzierungsplan sah vor, daß diese Gesamtsumme anteilig nach der Seelenzahl der Gemeinden, die den Friedhof belegten, aufgeteilt wurde. Zeil wurde mit 1080, Schmachtenberg mit 150 und Ziegelanger mit 250 Seelen in die Rechnung eingesetzt. Aus Bischofsheim kamen rechnerisch ebenfalls noch 22 Ka-tholiken dazu, die im Todesfall vom hiesigen Pfarrer in Zeil beerdigt wurden. Die evangelischen Einwohner von Bischofsheim wurden vom Pfarrer aus Dörflis im eigenen Ortsfriedhof beerdigt und gingen deshalb nicht in die Kostenrechnung ein. Aus einer Zusatzbemerkung geht hervor, daß die in Zeil wohnenden Juden in der Seelenzahl ebenfalls nicht mit eingerechnet wurden. Es gab damals in der Stadt 6 jüdische Familien mit insgesamt 40 Personen. Sie benutzten den Zeiler Friedhof nicht, denn sie wurden auf einem auswärtigen Judenfriedhof beigesetzt, nämlich in Kleinsteinach.
Im Zusammenhang mit der geplanten Friedhofserweiterung mußten auch gesundheitsamtliche Vorschriften beachtet werden. Durch die erfolgte Überbelegung des Friedhofs und die immer näher heranrückenden Wohnhäuser fürchtete man den Ausbruch von Epidemien. Im März/April 1823 kam aus Eltmann der Arzt Dr. Hoffmann um nach einer vorgenommenen Ortsbesichtigung ein Gutachten zu erstellen. Er schickte dann seine Rechnung vom 1. Mai 1823 über 10 Gulden "für die Begutachtung des Leichenhofes zu Zeil, worauf ich zwey Tagfarthen und viele Schreiberey verwendete ..." Die Kostenaufstellung für die Baumaßnahme wurde am 10.12.1823 zu Papier gebracht und von Bürgermeister Michael Eberth und dem Stadtschreiber Valentin Göller unterzeichnet und eingereicht. Die Genehmigung durch das für Zeil zuständige Königl. Landgericht in Eltmann erfolgte bereits am 19.12.1823. Im nachfolgenden Jahr 1824 wurden die Arbeiten ausgeführt. Der Zeiler Fuhrmann Michael Mantel transportierte aus einem nahegelegenen Steinbruch 7 Fuhren Mauersteine und dazu zwei Fuhren Sand zum Friedhofsvorplatz. Die Erhöhung der Mauer um 55 bis 60 cm wurde vom ortsansässigen Maurermeister Konrad Kirchner mit seinen Helfern ausgeführt und auf den vereinbarten Gesamtpreis von 27 Gulden bekam er eine Abschlagszahlung von 24 Gulden 45 Kreuzer, somit etwa 90 % der Gesamtsumme. Die seitliche Abschlußmauer von der Straße bis hinauf zu den Weinbergen erstellte der Maurermeister Adam Kirchner mit einem Gesellen. Sie benötigten dazu 3 1/2 Tage, wobei der Meister am Tag 36 Kreuzer und der Geselle 30 Kreuzer verdiente. Die veranschlagten Kosten von 6 Gulden 41 Kreuzer wurden im gleichen Jahr ohne Einbehalt ausbezahlt.
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Die Arbeiten von 1824 waren noch nicht das Ende der Bautätigkeiten an der Friedhofsmauer. Im Jahr 1873 wurde der Friedhof erneut stadteinwärts erweitert. Die vorhandene seitliche Abschlußmauer wurde von Maurermeister Johann Pottler abgetragen. Eine gesamte Reparatur der frontseitigen Mauer einschließlich der Nacharbeit erfolgte durch den Zeiler Meister Balthasar Schneider. Die neue stadteinwärts aufgeführte "linke Flügelmauer, beim Karl Ditlein" erstellte zum Preis von 18 Gulden der Maurer- und Steinhauermeister Melchior Scheer. Die Steine dafür stammten aus einem Bischofsheimer Steinbruch, von wo sie der Zeiler Fuhrmann Peter Pottler heranschaffte. Für 45 Gulden lieferte schließlich noch der Steinhauer Philipp Scheuring "für 135 Fuß laufente Mauerteckel auf den Kirchhof-mauern". Diese etwa 40 Meter Abdeckplatten liegen noch heute auf der Mauer und müssen im Zug der Sanierung abgenommen werden.
Schließlich wurde im Jahr 1932 ein letztes Mal in einer größeren Bauaktion bergaufwärts eine terassenartige Fläche im Friedhof geschaffen. Es gab dadurch nochmals Platz für einige neue Grabreihen. Da auch seit 1925 der Nachbarort Ziegelanger einen eigenen Friedhof hatte, trat nach und nach eine gewisse Entlastung für Zeil ein.
Durch die Erdbewegungen von oben nach unten bei den vielen Erweiterungen des Friedhofs erhöhte sich naturgemäß nach und nach der Druck auf die untere Abschlußmauer. Dazu kam, daß oberhalb des Friedhofs die Bergflanke durch den Materialabbau in vier Steinbrüchen (M. Reinhard/A.Reinhard/N. Veit/ M. Leisentritt) aufgerissen und dabei eine große Masse des gewachsenen Erdreichs abgetragen wurde. Der in diesen Steinbrüchen anfallende Abraum an kleineren Steinen und Erde wurde ebenfalls am abfallenden Hang abgelagert und übte Druck nach unten aus. Naturgemäß kam und kommt auch das Erdreich in der gesamten Belegungsfläche des Friedhofs durch das ständige Öffnen und Schließen von Gräbern niemals zur Ruhe und ist unter dem Einfluß der Witterung ständig in Bewegung.
Somit ist die in letzter Zeit aufgetretene Schrägstellung der Friedhofsmauer unter den obigen Einflüssen eigentlich erklärlich. Wenn man dabei überlegt, mit welch einfachen Bindemitteln die Maurer früher ihre Bauwerke fachmännisch und haltbar erstellten und die heutzutage üblichen rechnerischen Festigkeitsüberprüfungen unbekannt waren, muß man Respekt vor dem Können und der Erfahrung dieser Handwerker haben. Die Haltbarkeit ihrer Bauwerke beweisen es augenscheinlich.
Die Neuanlage des Hainfriedhofs im Jahre 1964 brachte dann die entscheidende Entlastung für den Kreuzfriedhof. Es wurden genügend neue Belegungsflächen geschaffen und auch zukünftige Erweiterungsmöglichkeiten wurden mit eingeplant. Nach der Sanierung der schiefen Mauer am Kreuzfriedhof und der geringeren Belegung wird dieses Problem dann sicherlich für immer beseitigt sein.
1998 Copyright by Heinrich Weisel, Zeil