Zeiler Baudenkmäler

Stadtturm ("Hexenturm") - Obere Torstraße 16

  • Stadtturm

    Der Stadtturm von Westen

  • Hexenturm

    Der "Hexenturm" zur blauen Stunde

  • Stadtturm und Kirchturm

    Die beiden Türme der Altstadt

Obere Torstraße 16 - Stadtturm

Von der Zeiler Bevölkerung schlicht "Stadtturm" genannt, bezeichnet man den einstigen Oberen Torturm seit Eröffnung des Hexen-Dokumentationszentrums auch als "Hexenturm". Tatsächlich diente er während der grassierenden Hexenverfolgung in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch als Kerker.

Gebaut wurde er in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, zusammen mit der Stadtmauer. Sein Erscheinungsbild war allerdings ein anderes, denn das Dach ähnelte damals eher dem des Kirchturms, wenn auch nicht so steil, und hatte wie dieses vier Ecktürmchen. Die so charakteristische schiefergedeckte Barock-Zwiebelhaube mit achteckiger "Laterne" wurde erst 1725 aufgesetzt. Der Turm selbst hat einen quadratischen Grundriss und ist aus regelmäßigen Sandsteiquadern hochgemauert. An der Südwestseite befindet sich auf halber Höhe noch ein Wehrerker, mit dem Feinde durch Hinabwerfen von Steinen oder Ausgießen von Flüssigkeiten vertrieben werden sollten.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts diente der Turm als Wachturm, auch als das zugehörige Tor schon längst abgerissen war. Noch heute kann man die einstige Türmerstube besichtigen, die einen weiten Blick ins Maintal gewährt.

Aus der Website "Zeiler Hexenturm"

Am 20. November 2011 eröffnete die Stadt Zeil a. Main das Dokumentations- und Informationszentrum Zeiler Hexenturm, in dem die Geschichte der Hexenverfolgung anschaulich dargestellt wird. Die direkt an den oberen Stadtturm angrenzende ehemalige Fronveste (Gefängnis) wurde saniert und der historische Zugang zum Turm, der ehemals über den Wehrgang der Stadtmauer erschlossen war, wurde wieder hergestellt. Der Stadtturm selbst beherbergt bauliche Überreste eines Kerkers aus der Zeit der Hexenverfolgung, die beim Besuch des Zeiler Hexenturms ebenfalls besichtigt werden können. ...

Eine Dokumentation im Originalschauplatz Stadtturm und im angebauten Fronhaus informiert darüber und sensibilisiert die Besucher für dieses komplexe Thema. Die Aufarbeitung zahlreicher Dokumente, wie das Tagebuch des Johann Langhans, der selbst Opfer wurde, Briefe und Protokolle der Vernehmungen und Folterungen der betroffenen Menschen machen dies möglich. (Quelle: Website "Zeiler Hexenturm")

Ludwig Leisentritt: Spaziergang durch Zeil

Das besterhaltene Stück der einstigen Wehranlage aus dem 14. Jahrhundert ist der Obere Stadtturm. 1725 erhielt dieses stadtbildprägende Wahrzeichen anstelle des ursprünglichen Spitzdaches mit vier Ecktürmchen die heute barocke Zwiebelhaube mit einer zierlichen Laterne. 24000 Nägel waren für die Befestigung der Schieferplatten nötig. Das Stadttor mit der Zugbrücke über einen heute nicht mehr sichtbaren breiten Graben ist abgebrochen. Zu sehen ist an der Südseite des Turmes noch ein Gußerker, mit dessen Hilfe Eindringlinge bekämpft werden konnten.
Tagsüber oblag dem Turmwächter die Aufgabe, ein Warnsignal mit einem Horn zu blasen, wenn sich verdächtige Personen der Stadt näherten. Mit einem ausgehängten weißen Tuch zeigte er die Richtung an, aus der Gefahr drohte. Im 17. Jahrhundert verlangte der Rat von den Turm- und Nachtwächtern, daß sie "uff Feuer fleißig Achtung geben, auch wo etwan sich im Firmament ein Wunderwerk ersehen ließe, alles fleißg anzeigen". 1878 schrieb eine Turmwächter-Ordnung das Stundenblasen im Winter ab 9 und im Sommer ab 10 Uhr vor. Nach Mitternacht war der Türmer gehalten, bei jeder Stunde zu blasen und daneben auf auskommendes Feuer und auf alle polizeiwidrigen und ungesetzlichen Geschehnisse ein wachsames Auge zu haben.
Die Verpflichtung, daß der Türmer in der Nacht die Stunden anzusagen hatte, beruhte nicht auf dem Wunsch, auch des Nachts zu wissen, wie spät es ist. Vielmehr bedeutete die stündliche Ansage für die sicherheitsheischenden Bewohner die Gewißheit, daß ihr besoldeter Türmer wach ist. Das Türmerzimmer, zu welchem 132 Stufen führen, war noch bis zur Jahrbundertwende [Ende des 19. Jh.] bewohnt. Der letzte Türmer hielt sich dort oben sogar eine Ziege. (Quelle: Ein Spaziergang durch Zeil, S. 28-29)