Zeiler Baudenkmäler

Speiersgasse 4

  • Speiersgasse 4

    Giebelseite (Speiersgasse)

  • Speiersgasse 4

    Inschrift über der Tordurchfahrt ("C.K." ist wohl der Zimmermann Conrad Kerner)

  • Speiersgasse 4

    Innenhof mit Galerie über der Torduchfahrt

  • Speiersgasse 4

    Auch hier lag das Fachwerk lange unter Putz

  • Speiersgasse 4

    Die Gravur im Fachwerk (aufgelöst unter "mehr...")

Brech

Bemerkenswert an diesem breiten Eckhaus ist die ungewöhnliche Dachform als Kombination aus Halbwalm- und Frackdach, die sich durch den Anbau ans Nachbarhaus und die L-Form des Gebäudes ergibt. Ansonsten zeigt sich das Anwesen als typischer Ackerbürgerhof, mit (rundbogiger) überbauter Toreinfahrt und einem Innenhof mit landwirtschaftlichen Nebengebäuden. Am Scheitel der Toreinfassung ist die Inschrift "C.K. 1589" eingemeißelt (nach Erkenntnissen Heinrich Weisels handelt es sich dabei um den Zimmermann Conrad Kerner; s. Bild 2). Diese Inschrift wurde aber erst später als Kopie einer kaum mehr erkennbaren Holzgravur angebracht (die seit 2017 wieder besser sichtbar ist - s. Bild 5). Das Erdgeschoss des Haupthauses ist massiv und verputzt, das Dachgeschoss weist zur Speiersgasse hin Zierfachwerk mit doppelten Andreaskreuzen auf. Der von der Oberen Heppengasse aus sichtbare Fachwerkgiebel der einstigen Scheuer stammt ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert. Im Innenhof liegt über der Toreinfahrt ein offener Laubengang (s. Bild 3).

Im Jahr 2017 wurde das Haus im Außenbereich renoviert. V.a. wurde der Verputz kräftig ockerfarben aufgefrischt - was wohl der ursprünglichen Farbgebung entspricht (man hat entsprechende Farbreste gefunden). Bilder folgen.

Aus "Das Bürgerhaus im östlichen Unterfranken":

Das wichtige Haus liegt an der östlichen Ecke Obere Heppengasse/Speiersgasse (T 84 cl. Es ist ein gutes Beispiel für den Übergang zwischen giebelständigem und traufenständigem Haus: An ein einstöckiges giebelständiges Haus mit Halbwalmdach schließt sich in Flucht der Vorderwand ein zweistöckiger Torbau so an, daß seine Dachtraufe in gleicher Höhe mit dem Walmansatz liegt und nicht davon abgesetzt ist. So ergibt sich zur Straße ein zweistöckiger traufenständiger Bau, dessen Oberstock an der Heppengasse in die Dachschräge des Längsbaus übergeht, der hofseitig eine Obergeschoßlaube hat. Das massive Erdgeschoß des Gebäudes ist verputzt. Am Osteck liegt die rundbogige Einfahrt, im Scheitel mit "C.K. 1589" bezeichnet. Daneben und im Nordteil der Westtraufe sitzen Fenster in Einfassungen des 19. Jahrhunderts, im Südteil der Westtraufe sind noch zwei Fenstereinfassungen des 18. Jahrhunderts mit Ohren und Faszien erhalten.
Während Nord- und Westseite des Gebäudes wohl schon immer massiv waren, scheinen Süd-und Ostseite erst im vorigen Jahrhundert massiv erneuert worden zu sein. Anlaß dazu gaben sicher starke Verformungen des Fachwerkgefüges, die im Dach-und Oberstockbereich noch erkennbar sind. Außerdem steht neben der Hintertür im Südgiebel noch ein alter Holzpfosten. Die Fenster der Unterfangung haben teils einfache Steineinfassungen, teils sind sie stichbogig ohne Einfassung und damit dem späten 19. Jahrhundert zuzuordnen. Der Ostgiebel besteht noch vollständig aus Fachwerk: Auf einem Sockelmäuerchen liegt eine Schwelle, in die drei Ständer eingezapft sind. Sie tragen über Kopfstreben ein Rähm; die Streben sind am Ursprung verzapft, über das Rähm aber geblattet. Auf dem Rähm liegen zwei Unterzüge, die mit den Ständern durch Buge verbunden sind. Der zweite Unterzug liegt nicht in der Hausmitte, sondern nach Süden verschoben, vermutlich durch die Oberschoßlaube bedingt.
Der Fachwerkstock zur Speiersgasse hat gereihte Ständer ohne besondere Verstrebungen und verkleidete Gebälke, dazu einen wandlangen Fenstererker, der jetzt fast ganz abgebeilt ist. Er saß auf Maskenkonsolen, von denen zwei noch erkennbar sind. Die Brüstungsfelder sind jeweils zweigeteilt und haben Zierholzfüllungen in Art von nachgotischem Maßwerk. Das Mittelfeld ist durch zwei Scheibenkreuze und eine Inschrift hervorgehoben. Leider ist sie stark beschädigt. Es konnte Folgendes entziffert werden:

ICH HAINTZEL 15 jar und 89 die Jarzal was!
Mann dem C. K. dieses hauß gemacht vnd zum
H. K. gueden ennd gebracht

Diese Inschrift muß wohl wie folgt kolumniert werden:

ICH Hainzel
Mann
H.K. und 15 jar 89 die jarzal was
dem CK dieses Hauß gemacht und zum gueden ennd gebracht.

Die erste Hälfte der Inschrift ist sehr schwer zu lesen, so daß ein Irrtum nicht ausgeschlossen ist. Das Hausinnere ist schwer analysierbar, da durch die massive Unterfangung die meisten Anhaltspunkte für die alten Wandstellungen verdeckt sind. Unter dem Haus liegt ein Queretonnengewölbe aus Sandstein mit einem Zugang von der Einfahrt. Der steinerne Türstock ist stichbogig geschlossen und gehört in der jetzigen Form dem 19. Jahrhundert an. Ein zweiter Zugang führt als gebogener Gang vom Erdgeschoßinneren in den Keller, er ist heute nach einer kurzen Strecke vermauert, seine Mündung im Erdgeschoß nicht sichtbar. Weitere kellerartige Räume, Schweinestall und Traktorengarage, wurden erst in jüngerer Zeit gegraben.
Die Haustür liegt derzeit an der Heppengasse. Auf einem Katasterplan des 19. Jahrhunderts ist jedoch an der Nordwestecke des Gebäudes ein kleiner Beischlag eingezeichnet, der als Treppenaufgang anzusehen ist; die Tür lag damals also in der Nordwand. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, daß das Fenster, das heute an dieser Stelle sitzt, eine etwas höhere Brüstung hat und etwas anders profiliert ist als die übrigen Fenster der Nordfassade. Der Erdgeschoßgrundriß ist heute der eines dreizonigen Bauernhauses. ...
Durch die ausführliche Bauinschrift sind die Bauzeit und der Erbauer verewigt. Das Monogramm "C.K.", das zweimal vorkommt, ist nach den Bürgerverzeichnissen von 1595-1625 nur mit "Conrad Kerner" aufzulösen. Leider ist sein Beruf nicht überliefert. "H. K." konnte einstweilen nicht aufgelöst werden. Der Zimmermann "Heinzelmann" ist nicht bekannt, allerdings kann hier auch bei der schlechten Erhaltung der Inschrift ein Lesefehler vorliegen. "H.K." kann allenfalls "Hans Kerner" bedeuten.
Zum Anwesen gehört eine Scheune am Südende des Grundstücks, die wohl ebenfalls im ausgehenden 16. Jahrhundert errichtet wurde. Der der Heppengasse zugewendete Giebel hat verzapfte Kreuzatreben und einen im Giebel sichtbaren liegenden Dachstuhl. Der westliche Barren ist mit einem Tonnengewölbe quer zum First unterkellert, dessen Kellerhals nach Norden und dann nach Osten knickend im Hof mündet. Die Pfosten der Tennenwände haben verzapfte Fußbänder und Kopfbänder, die am Ursprung verzapft, an die Dachbalkenlage aber geblattet sind. Der liegende Dachstuhl hat schräge Spannriegelstücke und einen Mittelunterzug, die Büge sind am Ursprung gezapft und über die Spannriegel geblattet. Der Windverband besteht aus Riegeln, die von Kopfstreben überspannt werden.
Nach dem Seinsheimurbar besaß das Anwesen einen mit dem Nachbarn, Speiersgasse 6, gemeinschaftlichen Brunnen. (Quelle: BOU, S. 186-191)

Aus dem "Spaziergang durch Zeil":

Das Fachwerk des Hauses ... ist erst in den Nachkriegsjahren von dem einst modischen Verputz freigelegt worden. Die entstandenen Schäden sind erheblich. Außerdem fielen die einstigen Schnitzereien (plastische Köpfe) barbarischen Beilhieben zum Opfer.(Quelle: Ein Spaziergang durch Zeil, S. 46-47)

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